Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
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378
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Euch schon gegen den väterlichen Befehl taub machte; wenn Ihrdas Blut des Falkensteiners vergossen hättet, welches Euch . .

O nicht doch! unterbrach stc Gangolf: wollet Ihr denn dasStärke nennen, was nur Ohnmacht war, weil mich Euer Wortund Blick entwaffnet hatte? Ihr möget aber Recht haben. Diemenschlichen Tugenden sind oft nicht geringere Schwächen, als diemenschlichen Leidenschaften, und wir besiegen eine der Ohnmächtendurch die andere. Denn in der That nicht ich, sondern Ihr habtden gerechten Zorn in mir überwunden. Unter andern Umständenwürd' ich mich meiner Nachgiebigkeit geschämt haben.

Nennet ja nicht die Tugend menschliche Schwäche, edler Herr.Sie ist unser GeisteSodem, unser Sein. Sie ist das Licht der Gott-heit, das Durchdrungenwcrden von der himmlischen LiebeSmacht.Der Gehorsam des Geschöpfs ist nie Schwachheit. Zhr werdet indiesem Gehorsam allezeit stark genug bleiben, die Widerspenstig-keit der sündlichen Natur zu bezwingen."

Soll ich stärker und frömmer werden, als ich bin, Vero-nika, so dürfet Zhr nur nie von mir scheiden; denn ich fühl' es,durch Eure Gegenwart allein kann ich Kraft empfangen, göttlicherzu denken und zu handeln.

Nichts soll mich von Euch scheiden, nichts kann cS," sagtesie mit zärtlicher Treuherzigkeit und reichte ihm die Hand, wiezum Bunde,nichts als die Sünde!"

Er drückte die Hand an sein Herz und sagte:O Veronika,so weiche du denn nie von meiner Seite, und die Sünde wirdnie bei mir einkehren, so lange du der Cherub bist, der das Para-dies meines Herzens hütet. Mein Leben ist dem deinigen verlobt,verlobe das deinige mir."

Sie antwortete nicht. In anmuthiger Verlegenheit neigte sichihr Antlitz auf die Brust nieder. Er zog sie an sich und küßtezitternd ihre Stirn. Sie wollte sich sanft zurückbewegen. Ver-