wenn er Euch auf der Hard ertappt, entführt hätte: wenn Ihr inseiner Gewalt, in der fürchterlichen Gefahr . . .
„Glaubet Ihr mich so klcinmüthig? O edler Herr, vertrauetdoch. Der Mensch kann wohl den Leib tödten, die Seele nicht.In Gott dürfen wir sonder Furcht sein. Er streckt die Netterhandzu uns, oder wir fliehen an seine Vatcrbrust."
— Wie hättet Zhr fliehen mögen, wenn der Verruchteste allerVerruchten Euch in seiner Burgen einer festgehalten haben würde?
Veronika zuckte ein kleines Messer aus silberner mit Perl-mutter eingelegter Scheide, und sagte mildlächelnd: „Ich warauf jeden Fall mit diesem Schlüssel versehen, die Pforten desLebens aufzuthun. Eine Nadel ist stark genug, die Bande desLeibes zu sprengen." Sie legte bei diesen Worten die Hand aufihre Herzgegend und drückte bedeutsam mit dem Zeigefinger gegendie Brust.
Gangolf schauderte und nahm ihr die Hand von der gefähr-lichen Stelle. „O Veronika, und was wäre dann mein LooS ge-wesen?" rief er.
Die Begutte entzog ihm erröthend die Hand, aber durchdrangihn dagegen mit einem Blick unendlichen Wohlwollens und Ver-trauens, in welchem ihre Seele zu ihm überzugehen schien. „Zhrwäret das gute, selige Kind Gottes, wie Zhr seid!" lispelte siehalblaut: „Dürfet Ihr noch daran zweifeln? Welch ein starkesHerz habt Zhr; wie viel mag es tragen!"
— Nein, nein, thenre Veronika, sagte er mit entschiedenerUeberzeugung: ich bin sehr, sehr schwach, in dem Sinne, in welchemZhr von meiner Stärke redet.
„Zch stände ja nicht mehr unter diesem Dache," versetzte dieBcgntte: „ich würde an der Hand meines Vaters durch die nächt-lichen Straßen der Stadt irren und ein fremdes Obdach suchen,wenn Ihr den Zorn in Eurer Brust nicht überwunden hättet, der