— Ich kann Euch zum Geständniß bringen. Unser Thurm hateine Folterkammer.
Man hörte bei diesen Worten Gangolfs das Knirschen von denZähnen des Freiherrn durch den ganzen Saal. Er wars dem Junkereinen tödtlichen Blick zu und zuckte mit den Armen am Rücken,als wollt' er die Bande sprengen.
„Warum wagtet Ihr Euch in diesen Thurm, Freiherr, da Ihrdoch wußtet, daß hier nur der Tod ans Euch wartet?" sagte Gan-golf weiter.
Der Freiherr sagte mit einem Ton, der von der Wnth halberstickt war: „Ich wollte einen Molch todt treten, einen Molch!"
— In der That, Falkenstein, versetzte Gangolf, der über desFreiherrn abscheuliche Geberde die Miene in ein Lächeln zog: Inder That, Ihr wäret der Welt bisher als Unthier bekannt. Nunaber fang' ich an, Euch für wahnwitzig zu halten, und das wärenoch nicht das Schlimmste. Was Wahnwitz des verwirrten Kopsessündigt, hat das Herz nicht zu verantworten. Ihr seid zuletzt un-schuldiger, als ich bisher glaubte. Bei gesunden Sinnen konntetIhr nicht den Bauernkittel anlegen und Euch allein in die Stadtwagen, um Kundschafter oder Meuchelmörder zu werden. Zu solchemGeschäft bedarf'S keines Freihcrrn; Ihr habt ja der Strolche genugin Lohn und Brod. Saget mir ehrlich, was suchtet Ihr in Aarau,wenn nicht den gewissen Tod?
„Niemanden, wenn Jhr's wissen wollt, als nur Euch!" ant-wortete der Freiherr, der sich wieder zu bändigen suchte, oder, denvielleicht für einen Augenblick der Schmerz bändigte, welchen dieSeile seinen Armen verursachten.
— Ist nicht vielleicht auch Eure Todfeindschaft gegen mich Wahn-sinn? Hatt' ich Euch je beleidigt? Redet frei.
„Schweiget!" brüllte der Freiherr: „Schweiget, ich glaube,Ihr hofft mich zum Narren zu machen durch Spott und Hohn, auf