372
oder Pumphosen waren vorn und unter den Knien mit schmalenLederriemen zusammengenestelt; die Strümpfe aus roher Leinwandgenäht.
Wie sehr auch dieser Mensch einem gemeinen Bauersmann glich,erregte doch seine Gestalt, wie das Bemühen, das Gesicht zu ver-bergen, Bestürzung. Kaum hatte der Hofmeister, auf den Winkseines Gebieters, den Saal verlassen, rief Gangolf mit einemGesicht, in welchem Entsetzen und Grimm standen: „Ist das nichtder Falkenstein, so ist'S der Teufel selbst, der mich äfft!" Da-mit sprang er vom Sessel hinweg und zum Gefangenen, welchemer den Strohhut vom Kopf riß. — Alle fuhren Von ihren Stühlenauf mit dem Lärmen des höchsten Erstaunens. Sie sahen den Frei-herrn Thomas von Falkenstein vor sich. Er hatte die borstigenAugenbraunen tückisch-finster niedergezogen und die Lippen zusam-mengebiffen.
„Landgraf Thomas !" redete ihn Gangolf an: „Oder Menschen-räuber, oder Mordbrenner, oder welcher Name Euch gebühren mag,wie dürfet Ihr Euch hierher wagen, in diese Stadt, in diesesHaus, wo Eucrn himmelschreienden Verbrechen die wohlverdienteStrafe harrt?"
Der Freiherr wandte ihm stolz den Rücken und sandte einendüstern Blick umher auf die übrigen Anwesenden. Als er der Be-gutte gewahr ward, stierten seine Augen brennend und unverwandtzu ihr hinüber. Veronika bemerkte es, reichte ihrer Begleiterinden Arm und begab sich mit derselben in den Halbdunkeln Hinter-grund des Zimmers. Herr Rüdiger trat ebenfalls zurück, mit Isen-Hofer im leisen Gespräch, zur tiefen Mauerblende, die das Fensterbildete, und beobachtete von hier aus den Gefangenen. Der Loll-hard hingegen stand zwischen seinem Sitz und dem Tische unbe-weglich in gewöhnlicher majestätischer Haltung.
„Ihr lasset mich lange der Antwort warten!" sagte Gangolf.