wieder in Freiheit setzen; ja, Bern wird durch kluge Behandlungan ihm einen Freund zu gewinnen trachten, während derselbe derunversöhnlichste Feind Eures Hauses und dieser Stadt Aarau bleibt.Bedenket wohl, was Ihr vorhabct! Ihr machet einen Gefangenen,Bern aber nimmt den Nutzen und Ihr traget den Schaden, so-bald der Freiherr wieder auf freien Füßen steht. Indessen, glaub'ich, reden wir eitle Worte, da der Falkcnsteiner zu schlau ist, umEuch selber ins Garn zu lausen."
Herr Rüdiger war durch diese Betrachtungen Jsenhofers ingrößere Verlegenheit gerathen, als er es zeigen wollte. Es mochteallerdings sein, daß Jsenhofer, aus alter Verbindung mit den Falken-steinern, den Wunsch hegte, den Freiherrn retten zu können; aberer hatte die Klugheit, nicht im Interesse des Freiherrn, sondernder Bewohner des Freihofes und der Stadt Aarau, zu reden, undseine Gründe waren nicht ohne Gewicht. Herr Rüdiger fand sichdurch ihre Stärke eben so sehr erschüttert, wie sein Sohn durchden schmeichelnd- und traulich-stehenden Blick, welchen Veronikaauf den Jüngling heftete.
Man sprach noch in verschiedenem Sinne über die Sache, alsder Hofmeister den Gefangenen hereinführte, dem Hände und Armemit Seilen auf dem Rücken zusammengeflochten waren. Er trugden Kopf vor sich niederhangend; den Strohhut, dessen Krampe,vorn und Hinte», und an beiden Seiten, vier handbreite und tiefeEinbiegungen, wie Dachrinnen, bildete, stark über die Stirn ge-drückt. Ein flacher, breiter Linnenkragen bedeckte, um den nacktenHals, Rücken, Brust und Schultern. DaS offene schwarzzwilchcneWamms, mit Stößen fast znm Knie, ließ darunter den dunkel-rothcn Brustlatz von Wollenzeug sehen, der vorn, ohne Knöpfeund Bänder, als ein Ganzes, tief herab über Unterleib und Hüftenschlotterte, und statt alles Schmucks noch die gelbe und schwarzeTucheggc vom Webfluhl, als Saum, zeigte. Die weiten Pluder-