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Jetzt ist'S Zeit, gottselig zu sei». Glühe» nicht selbst dem wohl-ehrwürdigen Bruder Lollhard vom heiligen Feuer die Wangen überdem Bart, wie ein himmlisches Morgenroth über Nebeln desJammerthaleS?"
— Du bist ein glücklicher Mann, der sich die Gottseligkeitbechcrweis aus dem Weinfasse zapft! sagte Gangolf lächelnd: Dasist neue Lehre!
„Mit nichten, Freund, uralt, denn Noah lebte schon vor denPropheten!" erwicderte der begeisterte Sänger von Waldshut:„Seht Ihr, ich war vor Zeiten auch Zweifler, und konnte sogarnicht begreifen, ob eben wohlgethan sei, daß man den Wein er-funden habe, der doch den Weisesten zum Narren machen und dieganze Welt auf den Kopf stellen kann. Hintcnnach erst ging mirLicht auf, als ich lernte, daß nur gute Leute froh und nur froheMensche» gut sein können. Es erhöhet der Wein über alle Arm-seligkeit des Alltagslebens, versöhnet Feinde, gleicht in allgemeinerVerbrüderung das Nnverbrüdcrte aus, gibt dem Feigen Math, demThoren Witz, dem Greise Zugend, dem Heuchler Wahrheit, demMüden Kraft, dem ..."
— Halt! unterbrachen plötzlich die Stimmen Aller den Lob-redncr des Weines: Still! — Was ist das? — Hört! —
Ein langes, durchdringendes Wehgeschrei, wie aus einer weib-lichen Kehle, ließ sich aus dem unter» Saale vernehmen, wo vor-her die Dienerschaft jubelte, und mitten in einem ihrer Gesängeverstummt war.
Man horchte, indem man sich gegenseitig fragende Blicke zu-sandte. In die weite Burg, die noch eben vom Frohlocken derausgelassenen Lust wiederhallt hatte, schien der Tod eingekehrt zusein. Man hörte nur das einförmige Rauschen der Aare, und dasallmällg wachsende und schwindende Geraffel des Steingcrölles unterdem Stoß ihrer Grundwellen.