Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
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Kelch mit beide» Händen, hob ihn hoch empor und rief: „Vorallen Dingen aber, liebwerthe Herren und Freunde, trinket mirzum Gedächtniß der tapfer» That unserer zwölfhnndert Bruder undEidgenossen, die an der Grenze für uns in den edel» Tod gingenund den Hochmuth der Franzosen abwiescn. Fürwahr, wir säßenheut' nicht friedlich beisammen, und hätten das Land voll fremdenMordgcfindels, wären jene nicht an der Pforte der Eidgenossen-schaft so treue Wächter gewesen!"

Alle stimmten ein; doch Meister Jscnhofcr »erzog dabei nachGewohnheit die Miene etwas schälkisch, obgleich er den Becherbis auf die Neige leerte.

„Scheint's doch fast," sagte Herr Rüdiger, der es bemerkte,„daß Meister Jscnhofcr von Waldshnt das blutige Heldcnwerk derEidgenossen nicht groß preisen mag."

— He, gestrenger Herr! antwortete Jsenhoser lächelnd: nehmt'sso genau nicht. Ich bin einmal des Glaubens, der Mensch thneselten große Dinge, sondern das Schicksal. Was wir klein, waswir groß heißen, hängt von Farbe und Anstrich ab, die wir selbstgeben wollen. Ein weißgetünchtes Häuslein stellt von ferne mehrvor, denn ein altergraues Schloß. Der Mensch ist ein thvricht-weiseS Thier, daher in allem seinem Thun Thorhcit und Weis-heit. Oft hebt er sein Werk klug an, und endet es albern, dannwird er gescholten. Besser, er beginnt von vorn an närrisch, undmacht einen gescheiter» Schluß dazu, wie die Schweizer bei St.Jakob, so wird er hoch geachtet.

„Versteh' ich deine Sprüche, Meister," entgegncte der alteHerr, „so wäre die Vaterlandsschlacht an der Grenze . . ."

— Ein dummer Streich gewesen, richtig! aus dem sich EureLandsleute am Ende, wie Ehrenmänner, zogen!—unterbrach ihnJscnhofcr.

„Laß uns hören," sagte Rüdiger, „denn die vielerlei Sagen von