Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
343
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bluincn die schimmernde Stahlrüstung, welche Rüdiger in manchemTurnier siegreich getragen. An einer Wand hing die breite, kunst-reich gemalte Pergamcntrolle des Stammbaums non seinem Ge-schlecht, welcher bis in das Innerste des zehnten Jahrhunderts dieverborgenen Wurzeln trieb, schon im zwölften Jahrhundert die ge-trennten Zweige über Süddcntschland, Schaffhausen, Luzern undde» Aargan auSgestreckt hatte, und Feldherren, Prälaten, Bürger-meister freier Städte, Comthurcn, Aebtinnen nnd Meisterinnenans seinen Schilden trug. Das Alles, so wie vieles Andere, selbstder Familienstolz, welcher aus der Glasmalerei der Fenster prunkte,lieferte dem Lollhard täglichen Stoff zn geistreichen Betrachtungenund salbungsvollen Mahnungen.

Herr Rüdiger, wiewohl ein strenggläubiger katholischer Christnach dem Gebot der Kirche, hielt doch aus liebender Dankbarkeitdem Bruder des freien Geistes viel zn gut, und gab ihm wohlzuweilen Recht, weniger aus Neberzcugung, als Gefälligkeit. Ver-mnthlich hoffte er seinerseits dafür, als christliche Gegengefällig-kcit, einige Nachsicht mit einer Grille oder Schwäche, welche erim Zustande seiner langen Schwermnth, bis auf einige leichte An-wandlungen, völlig abgelegt hatte, nnd die nun im gleichen Maßewieder bei ihm erschien, wie die Genesung des Leibes und derSeele wuchs. Es ist gar nichts Ungewöhnliches, daß Menschen,während einer Krankheit, ihre Gcmüths- und Denkart ändern undsie unwillkürlich mit der Rückkunft der Gesundheit wieder in alterStärke äußern, als lägen ihre Tugenden und Fehler mehr imFleische, denn im Geiste. Herr Rüdiger, der bisher mit Verachtungdes Lebens nur auf Grab und jüngstes Gericht gesehen hatte, er-innerte sich nun gern wieder daran, daß das Alterthum des Ge-schlechts Trüllcrey hoch über alle andere des deutschen und welschenAdels rage, und Karl der Große selber sich keines älteru Stammesrühmen könne. Denn die Trüllereh waren, nach seiner Meinung,