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gar war Betrug!" sagte Herr Rüdiger, und erzählte ehrlich, wasihn damals zu der Falschheit bewogen hatte.
— Günther von der Weide! rief der Lollhard wieder, ihn un-terbrechend: Günther! armer Günther! — Er trat zwei Schrittevor. Aus seinen Augen stürzten Helle Thränentropfcn über diehohlen Wangen in den eisgrauen Bart. Er beugte sich zu demgreisen Jugendfreund nieder und schloß ihn, übcrmannt von Er-innerungen einer fast verdämmerten Vergangenheit, und bezwungenvon Gefühle» an sein Herz, die er im Kamps mit der irdischenNatur schon für besiegt, oder seiner Sclbstheilignng für unzuträg-lich gehalten hatte. Rüdiger hingegen, in Furcht, Schmerz undNeue aufgclöset, ward durch die Inbrunst erschüttert, mit der ihnder einzige Mann umfing, wider welchen er sich eines Verbrechensbewußt war. Er hätte leichter den Zorn des sreiherrlichcn Loll-hards, denn dessen beschämende Liebe getragen. Die Greise bliebenlange in der stummen, ungestümen, thräncnvollcn Umarmung, alswären sic um dreißig Jahre ihres Lebens ärmer, und stürmischeJünglinge geworden. Man mag dies vielleicht unnatürlich finden,so lange mau nicht weiß , daß das höhere Alter wieder jene Weich-heit der Gefühle in das Gemüth zurückcmpfängt, welche einst dieJngcndtage verschönten. So führt auch die herbstliche Jahreszeit,nur nicht unter Blüthcn, sondern unter Früchten, die milde Lieb-lichkeit des Lenzes in aller Pracht zurück, obgleich beim Schimmereiner südwärts weichenden, nicht von daher kommenden Sonne.
„Löset die Sündenschuld von meiner Seele!" rief Herr Rüdi-ger : „Lasset mir Gnade wiederfahren. Alles soll Euch zurück-crstattet werden bis ans den letzten Heller. Sprechet Eure Ver-zeihung über mich auS."
— Günther oder Rüdiger, wie ich dich lieber nennen soll, —crwiedcrte der Lollhard: was habe ich dir zu vergeben? Leg' dich