Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
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fangen gehalten Wae dnrch Feeihenn Thomas von Falkcnstein.Ich vermnthe mit Grund, meine Tochter, eine arme, frommeBegharde, sei in Eurer Gewahrsame hier. Ist dem nun also,so wollet mich meinem Kinde zuführen."

Herr Rüdiger antwortete lange nicht. Mit unsicherer Stimmesagte er endlich: „Eure Tochter ist nicht hier, doch wird sie er-wartet. Lasset Euch indessen gefallen, bei mir zu verweilen undmir zu folgen."

Damit wandte er sich und ging langsam die enge steinerne Wen-deltreppe hinauf; dann eine zweite, eine dritte, eine vierte. Eröffnete die mit Eisenblech beschlagene Pforte eines Hellen, ge-räumigen Gemachs, und verschloß sie, sobald der Lollhard eingc-tretcn war, hinter ihm. Der Lollhard, vom langen Steigen er-schöpft und fast des Odems verlustig, setzte sich auf eine schwarzeEisenkiste, die seitwärts dem Fenster stand, während Herr Rüdigernoch mit dem Verschließen der Thür beschäftigt war. Als dieseraber den Alten auf der Eisenkiste sitzend erblickte, drang ein Schauderdurch seine Seele; denn er erinnerte sich jener Nacht, da er imFiebcrwahnsinn die Gestalt seines alten Herrn und Freundes Jörgvon End ans derselben Kiste sitzend gesunden. Mit verbleichendemGesicht erforschte er die Züge des Lollhards. Er sah den FreiherrnJörg von End vor sich. Er sah die hohe, lange Gestalt, aber ihreSchönheit durch die Sonnen vieler Jahre verdorret. Die ehemalscdeln, weichen Züge des Gesichts waren fast bis zur Unkenntlich-keit schroffer gezogen, und die stolze Römernase des einst vollenGesichts hatte jetzt Ebenmaß und Verhältniß zu den eingesunkenen,verschrumpften Wangen verloren. Nur in den Augen brannte nochunerloschen die Glnth eines Herzens voll ewiger Jugend.

Herr Rüdiger faltete, seiner im Entsetzen beinahe nicht bewußt,die Hände und trat zitternd gegen den Lollhard, welcher ihn mitsonderbaren, durchdringenden Blicken beobachtete. Er kniete cnd-Zsch. N°v. V. 11 *