Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
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Hof plagt'S Tag und Nacht, wie den König Saul. Und eben Ihrda, frommer Bruder, werdet mir bestimmen: Was jung getollt,wird alt gezollt, Hab' ich Recht,

Der fromme Bruder auf dem Rosse gab keine Antwort, auch,als sic ln Fortsetzung ihres Geplauders ihn durch wiederholte Fragenversuchten. Er schien nicht nur gehörlos, sondern von asten äußernSinnen kaum so viel behalten zu haben, als genug war, den lebens-frohen Ganl in geziemendem Schritt zu lenken. Sein erloschenerBlick haftete an keinem Gegenstand; seine Gesichtszüge standen,wie die eines Schlafenden, entspannt. Zuweilen schien er, durcheinen Seufzer aus dem Innersten seiner Brust, sich selber zu weckenund auf einen Augenblick an die Außenwelt zurückgcgcben zu wer-den. Dann bewegte er seine Lippe» still, wie zum Gebet, Es istzu vcrmuthen, daß ihn die Sehnsucht nach dem Reiche des ewigenEvangeliums nicht allein, sondern auch wohl der Gedanke an seineverlorne Tochter beschäftigte, wiewohl er die Macht des väterlichenGefühls, gleich aller Anhänglichkeit an das Irdische, eben so auf-richtig in sich bekämpfen mochte, als er es äußerlich durch Thatund Wort pflegte.

Er ritt eben vom kieselrcichen Dorfweg über einen hölzernenBrückenstcg, neben dem Abgrund, welchen ein wildes Bergwafferbeiden Hütten von Unter-Erlisbach in die Felsen-gefressen hatte.Ein ritterlich gekleideter und bewaffneter Mann kam jählings anden Nebhügcln, in scharfem Trabe, von Aarau daher, und mäßigtebeim Anblick der schwankenden Brücke den Lauf seines Renners,Es war kein Anderer, als Herr Jscnhofcr von Waldshut,

Beim Gewahrwerden des Lollhard stutzend, hielt er am Stegestill, betrachtete den sonderbare» Reiter und fragte, nach freund-lichem Gruße, mit halblautem Tone, die Fußgänger:

„Ihr wacker» Herren von Aarau, steht Ritter Gangolf mit denSolothurnern und unser,» Volke noch vor Gösgen?"