Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

„Nein, ich bi» keineswegs gesonnen, Euer» freien Willen zu be-schränken, noch bin ich geneigt gewesen, Euer» Fclsenglauben andie Wachsamkeit der göttlichen Vorsehung zu kränken. Wenn ichdem dcrwaiseten Vater verhieß, das geliebte und verlorne Kindzu suchen, gedachte ich ihm Freude und Trost ins Herz zu legen.Aber Eure Tugend ist wahrlich übermenschlich. . ."

— Das soll sie sein, sintemal reine Tugend göttlicher NaturIst und nicht irdischer Herkunst! unterbrach ihn der Greis lebhaft.

„Ich bitt' Euch nur," fuhr der Junker fort: „mir zu lieb beimeinem wacker» Kriegsvolk zu verweilen, bis ich wiederkehre, undEuch nicht zu entfernen. Ehe der Tag endet, werde ich wiederbei Euch sein, vielleicht schon in wenigen Stunden."

Als ihm der Lollhard das Wort gegeben, berief der Rittermehrere wackere und zuverlässige Männer von den bewaffnetenSolothurnern und Aargauern. Er sandte sie vaarweis aus gegenOlten und Trimbach zur Schlucht des Hauensteins, gegen Warten-fels auf der waldigen Felshöhe, gegen Erlisbach den Weg zurSchafmatte, um die entkommene Gemahlin des Freiherr» Thomasnnd deren Nichte zu verfolgen und einzubringen. Er selber, be-gleitet von seinem treuen Knecht Irin Fäsen, rannte zu gleichemZweck, den Berg von GöSgen aufwärts, zwar auf kürzer», dochkaum zu erkennenden Fußpfaden, Stüßlingen vorüber, den grünenumbüschtc» Höhen der Schafmatte zu, die droben den Rücken desJura schmücken.

Irin FäscilS scharfes Auge entdeckte nach anderthalb Stundenzuerst in der Ferne zwei weibliche Gestalten, welche schon die letzteHöhe des Berges erreicht hatten, wo die schwärzlichen Kalkfelsender Geißflue hinter wildem Gesträuch emporsteigen.

„Wenn sie den Reißaus nähmen," sagte er keuchend und dieSchritte verdoppelnd, ui» dem voranfiiegende» Gangolf iiachzukom-nien i „wenn sie den Reißaus nähmen, so würde ich glauben, es