„Die werden noch zu erreichen sein, wenn du die Wahrheitsprichst!" sagte Gangolf: „Dich aber lass' ich aufhenken, wen»ich sie nicht finde, weil du mich betrügen wolltest."
Darauf befahl er, die Gefangenen hinauSznführcn, zu bindenund zu bewachen; das Schloß zu durchsuchen, auszuplündern undin Brand zu stecken. Den Lollhard nahm er selbst bei der Hand;führte ihn vor die Pforte der Burg; gebot, ihn mit Speise undTrank zu erquicken und ihm mit Ehrerbietung zu begegnen, weiler kein Gefangener sei, sondern Gast.
„Erwartet mich hier und trennet Euch nicht von diesem Kriegs-Volk," sagte Gangolf zum Lollhard: „denn die Wege find überallnicht mehr sicher für Euch. Ihr bleibet ln meinem Schutz, bisich Eure Veronika entdeckt haben werde. Ich will sie ausspähcn;alle Wälder, Klüfte und Dörfer des Jura will ich durchlaufenund alle Schlösser des Räubers niedcrwerfcn."
Der Lollhard sprach: „Welches Gebot habt Ihr mir anzn-legcn und wer hat Euch zu meinem Herrn gesetzt? Ich stehe unterkeines Sterblichen Obhut und Schutz, sondern unterm Schildedessen, der den Sperling auf dem Dache und die Serafim in denHimmeln hütet. Mögen alle Mächte und Hcerschaaren der Höllesich wider mich anfmacheu: ich fürchte sie nicht. Mit mir undVeronika ist ein Stärkerer, denn Ihr seid. Geht und traget Sorgefür Euch selber, nicht für mein und meines Kindes Leben. Undsehe ich mein frommes Kind in den Armen des Falkensteiners oderdes höllischen Drachen, meinet Ihr, ich könnte einen Augenblickzagen?"
Gangolf betrachtete den Lollhard bei dieser Rede mit verwundc-rungsvollen Angen, denn eine solche Höhe der Frömmigkeit undZuversicht schien ihm fast au wirklichen Wahnwitz z» grenzen. Dochwar dies nicht der Augenblick, gottesgelahrte Zweifel »nd Wort-wechsel zu erheben. Gelassen crwiederte der Ritter dem Alten: