84
Er mochte kaum einige Slundeu uuruhigrn Ichlununcrs ge-nossen haben, als ihn ei» Geräusch an der Thür des Gemachsweckte. Die Thür ging langsam auf; ein dunkclrothes Licht strömteimmer Heller und falber durch die sich erweiternde Oeffnnng. Gan-golf richtete sich mit halbem Leibe nicht ohne Bestürzung auf, alser seinen Vater eintretcn sah, der in der Hand eine brennendeLampe trug. Die Lampe, der lange schwarze Pelzrock, das blasseAntlii), welches aus dem um das Haupt geschlagenen und unterdem Kinn znsamniengeheftcten.Tnche herrwrschautc, gaben der hohenGestalt des Greises etwas Gespensterhaftes.
„Seid Ihr cs, mein Vater?" fragte Gangolf mit ungewisserStimme.
— Steh' auf, Gangolf, und folge mir! antwortete jener.
Gangolf gehorchte, sprang aus dem Bette und warf die Kleiderum. Sobald er seinen Anzug rolicndet hatte, ging Herr Rüdigervoran und winkte dem Sohn. Dieser folgte ihm die enge» Wendel-treppen hinab, dann unten i» einen schmalen Seitenweg, wo inder dicken Mauer des Thurms eine kleine Thür angebracht war,welche Gangolf wohl kannte, und für die Thür eines Mauer-schrankes gehalten hatte.
„Rede kein Wort, Gangolf," sagte der Alte: „sondern böreund gehorche schweigend." Er zog einen großen Schlüssel hervor,öffnete die Thür, kroch durch das Pförtlcin gebückt voran, gingwieder einige Stufen abwärts, öffnete eine zweite niedere Thürund trat in ein enges Gemach, kaum sechs Schuh hoch und ebenso lang und breit. Dem jungen Ritter ward es in dieser ibmbisher fremd gebliebenen Gegend des Thurms etwas unheimlich ;noch mehr, als zu seinen Füßen im Stroh eine menschliche Ge-stalt lebendig ward, die er beim Eintritt nicht bemerkt hatte. —Ei» altes Weib, in Lumpen gewickelt, schwarzgelben Gesichts,mit hervorstehenden Backenknochen, spitzem Kinn, spitzer Nase und