Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

auf. Muß mau den» gleich Alles anbriugen und mit ver Tltiirins Haus hincinplatzcn? Schickt sich das, du struppiger Strudel-kopf? — Es ist wahr, liebster Junker, der alte Herr ist seit einigerZeit etwas still und unpäßlich."

„Was? seit einiger Zeit!" unterbrach ihn Irin: „Dein Gc-dächtniß, Heuiman Endcrli, hat kurze Waarc feil. Nein, liebsterJunker, es ist schon seit dem Tage dor Lichtmeß, als die Zigeu-nerin bei ihm war, die sich vor den Stadtkncchten in de» Freistesrettete."

„Schwatz du und der Kukuk!" schrie Hcmman: „Ich glaube,Jrni Fasen, deine Mutter hat sich an Bileams Esel versehen. —Nun ja, lieber Junker, weil der Kerl denn nichts bei sich be-halte» kann, so gesteh'ich, seit Lichtmeß mag es sein. Doch wasdie Zigeunerin betrifft, so kann Niemand eigentlich sagen. .."

„Ich aber, bei St. Lorenz, bin ein Jemand!" siel Jrni ihmin die Rede: „Und ich sage, die schwarzgelbe Here vom HerzogMichel ans Acgyptenland hat's ihm augcthau. Hein»,an Euderlihat's nicht gesehen, aber ich kniete hinter dem Stallthnrlein undmelkte die Geiß. Lieber, gestrenger Junker, der alte, gnädigeHerr stand dort an der Thurmecke, und die Vettel mit pechschwarzenAugen vor ihm und sah ihm in die Hand. Der Stadtknecht HeiniZobcrist hat auch Beide aus der Ferne betrachtet, denn er paßtevor dem Burggraben auf, weil die Zigeunerin eine Henne auf derGasse gestohlen hatte. Die Hciine gehörte des Hansen HcinikcrSMutter. Es ist gewißlich wahr. Und wenn die auSgesuchSte Diebinnicht mehr Teufel im Leib gehabt hat, als kohlrabenschwarze Haareauf dem Kopf, so will ich weder leben noch sterbe». Denn sie istin der Nacht aus dem Frcihof entkommen, Niemand weiß, wie?und wohin? Und der alte gnädige Herr ist den ganzen Abend stummund still, starr und steif am Wappeufcnsterlcin gestanden, als wäreer zur Salzsäule geworden, wie Sodom »nd Gomorrha."