„Kann ich dafür? Ich liebe sie, mnß sie lieben; aber es waltetüber dieser Liebe, glaub' ich, ein böser Stern. Es zieht mich ausweitester Ferne zu ihr mit unüberwindlicher Gewalt; aber in ihrerNahe werd' ich alsbald elend; unter ihre» Liebkosungen wird meinHerz zerrissen. Die arme Mücke muß und muß zum feurigen Licht,und dann jämmerlich in der Flamme »ergehen."
— Ich merk' es, Herr Gangolf, Euch thut Zerstreuung noth;die beste Arznei gegen verliebten Verdruß. Und wollt Zhr einenguten Rath nebenbei? Denn glaubet mir, ich kenne den Sitz EuresNebels.
„Laßt hören! "
— Ihr macht aus Euch selber allznwohlfcile Waare, wie esjunge, warmblütige, leichtgläubige Leute machen. Ihr verschenketEuch jeden Augenblick mit Leib und Seele; gehöret Euch nie selberan; und als fremdes Eigenthum könnet Zhr den Schmerz nichtertragen, wenn der Andere Euch nimmt und hält, wie es ihmeben behagt. Versteht Ihr mich? Wenn Ihr dürstet, bleibt amUfer, trinket; aber stürzet Euch nicht in de» Strom, er verschlingtEuch. Gebet Allem, was Euch freundlich anspricht im Leben, denFinger oder die Hand, aber Keinem Euch ganz. Die Welt stehtfest, aber nichts in der Welt; darum haltet an dem, was bleibt,aber an nichts in der Welt.
Gangolf nickte mit dem Kopf und dachte der wunderlichen Redenach. Er fühlte darin etwas Wahres, und sein Inneres davongetroffen. Jsenhofer wollte aber den jungen Mann nicht zu langedem Nachdenken überlassen, sondern dessen Gedanken nach andernDingen leiten. Er zeigte auf den grauen Thurm des SchlossesHabsbnrg empor, der links vor ihnen von der Höhe des waldigenWülpelsberges herab, wie ein König, mit alterthümlicher Würdedurchs Land sah.
„Ist das nicht das Stammschloß unsers Kaisers?" fragte er.