Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
55
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hagerer, kleiner Manu von etwa vierzig Jahren, der ihm gegen-über saß nnd sehr einfach gekleidet war. Man nannte ihn Isen-Hofer. Gangolf hatte von demselben schon zuweilen gehört. Einigehielten ihn für einen großen Gelehrten, Andere für einen Halb-narrcn, Andere ihn für einen durchtriebenen Schlankopf, Andereihn für einen Schwärmer. Sein blasses, schmales Gesicht, mitkurzer Spitznasc, spitzem Kinn, tiefen Augenhöhlen, in denen einPaar kleine, lachende Augen blitzten, vcrrieth weder das Einenoch das Andere.

Niemand fühlte sich bei diesem Freudcnmahl fremder, als Gan-golf. Was er seit vierundzwanzig Stunden erlebt und erfahrenhatte: die nothwendige Verzögerung seiner Vermählung, die schlechteAussicht für Aargan's Unabhängigkeit, der Gold- und Ahnenstolzseiner Braut, die Kränklichkeit seines Vaters, das Alles schied ihnvon bisher gewohnten Hoffnungen, Aussichten und Verhältnissen.Seine Stille nnd Einsilbigkeit ward von Jedem bemerkt, am mei-ste» und nicht ohne kleine GewisscnSunruhe vom Fräulein von Falkcn-stein. Sic wendete ihm oft den traulichen Blick, oft das neckendeWort zu, bis seine unwandelbare eiskalte Höflichkeit ihren Stolzvon neuem reizte. Da drehte sie sich von ihm hinweg, und wid-mete dem Herrn von Hemmenhofen eine Aufmerksamkeit, für welchedieser dankbarer zu sein wußte. Vielleicht hoffte sie auch den ster-benden Liebesfnnken im Gemüth ihres Bräutigams durch Eifersuchtwach zu blasen. Er aber, in todter Gleichgültigkeit, achtete kaumdarauf.

Drei Stunden dauerte dies Spiel, bei dem sich Herr Bentelinam besten befand. Gegen Ende der Mahlzeit aber ward eS amandern Ende des Tisches desto lauter, wo von den Männern Gangund Gefahr des unvermeidlich gewordenen und nahen Krieges be-sprochen wurde. Dari» waren sie alle einig, es müsse zwischenOesterreich nnd den Eidgenossen Kampf auf Leben nnd Tod wer-