Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
54
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Das Gastmahl des Schultheißen.

Beinahe eilf Uhr Vormittags war es, als sie in das Zimmerdes Schultheißen traten, wo man ihrer schon geraume Zeit ge-wartet hatte. Der greise Efsinger führte alsbald nach feierlicherVerbeugung gegen die junge Freiherrin von Falkenstein, diese,kaum ihre Fingerspitzen berührend, in das Speisezimmer; GangolfTrüllereh begleitete des Schultheißen artige Sohnesfrau; die klebri-gen folgten unter tausend gegenseitigen Höflichkeiten, Bitten undEntschuldigungen, weil sich, nach den Gesetzen feiner Lebensart,Niemand des Vortritts aumaßen wollte.

Vom laugen Tisch, den ein blendend weißes, goldgcblümtcSTuch bedeckte, dampften Gemüse, mancherlei Geflügel, Salmeaus dem Rhein, Forellen und Wildpret, anlockenden Duft durcheinander. Fünf hohe Weinkannen non Silber in getriebener Arbeitragten schimmernd über das steigende Gewölk hinweg, wie dieKuppeln der Kirchthürmc über den Rauch der Stadthäuser. Borjedem der Gäste glänzte der Silberbecher, abwechselnd mit einemvergoldeten Pokal.

Das Tischgespräch, bei den ersten Gerichten stockend, halblautund arm, wurde nach und nach, sobald auch die Weine versuchtwaren, voller, wärmer und fröhlicher. Ein lebhafter, hübscherMann, und zwar derselbe, welchen Gangolf aus Ursnla'S Zimmerkommen gesehen hatte, weckte zuerst mit heitern Scherzen die guteLaune der Gesellschaft. Es war Herr Bentelin von Hemmen-hofen, den, außer Gangolf, alle klebrigen wohl kannten. Ursulabehandelte ihn sogar mit einer Art Vertraulichkeit, welche der ge-wandte Mann mit jener schmeichelhaften, fast zärtlichen Ehrfurchterwiederte, die jedes Frauenzimmer am liebste» für gegebene Freund-lichkeit zurnckempfängt. Ihn unterstützte in der Unterhaltung ein