Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
53
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sehr liebe!" Sie schlug ihre Leiden Arme um seine» Nucke» undschluchzte laut an seiner Brust, und rief:O du göttlicher Böse-wicht! was hast du aus mir geschaffen?" Und ihre heißen Lippenhingen an seinen Lippen, als wollte sie die von ihr weichendeSeele des Bräutigams an sich trinken.

Lange schien er gefühllos ihre Liebkosungen nur zu dulden.Der warme Hauch ihres Odems, das Brennen ihrer Lippen, diestille Gluth der Blicke, welche wie voll süßer Berauschung in seinenBlicken untcrgingcn, äußerten aber bald ihre unbesiegbare, Seel'und Sinnen überwältigende Macht. Er zog sie an sein Herz und sprachin einem Seufzer:O warum bist du nicht so arm, wie schön!"

Was willst du, Gangolf?" erwicdcrtc sie schmeichelnd:Binich nicht eigentlich die Gabe, die sich dir gibt, und alles Anderenur zufällig Mitgabe, die du in den Kauf erhältst?"

Vcrstncht sei jeder Heller, den ich non deiner Mitgabc be-rühre, rief er wieder heftiger: und Unsegen bringe auf die väter-liche Burg Nore, was aus deinem Gut sie schmücken will!

Sie strafte mit sanften Fingerschlägcn seinen Mund, wand sichlächclnd aus seinem Arm und sagte:Die Mitgabc deiner Braut,nun du sie zur Miffethat machst, wird im Frcihof non Aarau wenig-stens Zufluchtsstätte haben, wie jeder arme Sünder, der dortseine Hand an das heilige Gestein legt. Aber. . . ." Hier tratsie nor den Spiegel, hauchte in ihr Taschentuch und drückte es sichauf die Augen, um die Spur der Thräncn zu vernichten:Aberes ist genug gezankt, junger Herr! Nun führet mich zum Schult-heißen. Seid freundlich und artig, und vergesset!"

Fräulein!" sagte er, mit sich verdüsterndem Blick auf dieblitzenden Diamantringc an ihren Fingern:Warum mußtet Ihrmir etwas zu vergessen geben!"