Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
51
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im Aelternhause verzogene» Lieblings: aber daß die Braut sich,im leidenschaftlichen Rausche des Unwillens, ihrer höhern Herkunftund ihres Neichthnnis bewußt blieb; daß sic nngroßmüthig dessenerwähnen kannte, ihn zu demüthigen; noch Braut nur, den Bräu-tigam schon: das erschütterte ihn.

Fräuleinsagte er mit halbuntcrdrücktcr und doch schreck-licher Stimme, indem er ihr mit Hoheit entgegcntrat:Ihr habtmich nie geliebt. Das hättet Ihr nie gesprochen, wenn je eineFaser Eures Herzens für mich freundlich gezuckt hätte. Der böseGeist ist unerwartet, aber zur rechten Stunde, aus dem Engeldes Lichts hcrvorgetreten. Wir sind geschieden."

Sie entsetzte sich bei diesen Worten, indem sie dabei sein starres,bleiches, schönes Gesicht erblickte. Sie bcrenete, obgleich selbst nochhalb im Zorn, die unvorsichtig auSgesioßene Rede.Geschieden?"sagte sie leise und finster:Wir stnd'S, wenn'S Euch beliebt."Aber ihr Herz zitterte, wenn sie wieder sein edles, leichenhaftesAntlitz erblickte.

Zch habe Euch geliebt," fuhr er fort,Euch nur, unein-gedenk Eures Namens und Gutes. Wär' ich ein Königssohn, ichwürde Kronen zu Euern Füßen gelegt haben, und wenn ich Euchin Lumpen, unter dem Dache einer Zigcuncrhütte, gefunden hätte.Gold, wie Lumpen, sind Staub; nicht das zog mein Herz zu Euch.Ich habe Euch geliebt: nun nicht mehr."

Sie erblaßte, aus ihrem Auge fiel eine Thräne. Sie selberwußte nicht, wie ihr geschah, was in ihrem Inner» verging ? Dochfaßte sie sich und sprach halb weinerlich, halb versöhnt lächelnd:Nachdem mein gestrenger Herr selber nicht läugnen konnte, daßeine eiende Dirne mir mein thcnerstes Herz geraubt, muß ich nochdarum Vorwürfe leiden, als wär' ich die Sünderin. Redet doch,und mein leichtgläubiges Herz glaubt Euer» Worten schon, eh'Ihr sie ausgesprochen habt. Also die Begutte war nicht ein Schön-