Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
50
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so

cmporilieg, verricth auf- und nicdcrwallend die Bewegung iuiInnersten der Brust.

Selten glaubte Gangolf in Ursula's ganzem Wesen etwasZauberhafteres gesehen zu haben, als in diesen Minuten. Dazukam, daß ein äußerer, reicher Schmuck von Ketten und Perle»um den Hals, ein Leibchen non karmesinrothcm, golddnrchwirktemStoff über das schwarzseidene Nntergcwand, enge lange Acrmcl,non der Schulter bis zum Handknöchel in der Naht aufgcschlitztund wieder bauschigt zusammengenestclt, den Wuchs des Mädchensund dessen Reize um Vieles erhöhten.

Wirklich verlor er tu der Lust dcS Schauens so vollkommenalle Aufmerksamkeit des Hörens, daß er in Verlegenheit gericth,als Ursula wiederholt in ihn drang, ihre letzte Frage zu beant-worten, die er nicht gehört hatte.

Erst schien sein Verstummen alle ihre eifersüchtigen Vermuthungcnzu bestätigen; dann, da er um Wiederholung der Frage bat, seineUnachtsamkeit ihren weiblichen Stolz noch mehr zu empören.

Sie erhob sich schnell vom Sitz und rief mit einem Blick derVerachtung:So ist denn selbst meine Gegenwart nicht vermö-gend, Eure Gedanken für einen Augenblick von jener feilen Dirnezu befreien, die Ihr Euch znlegtet. Eilet doch lieber zu der Be-gutte. Weit kann sie nicht sein. Ich halte Euch nicht. DieBettlerin mag allerdings besser znm Ritter ohne Land und zumverfallenen Thurm Nore taugen, als eine Erbtochter des HanfesFalkenstein, Urenkelin alter Grafen."

Diese stolze, schneidende Stimme, dies unerwartete Vorrücke»seiner Armuth weckten aber plötzlich den edeln Trotz, welchen jederMann empfindet, wenn das Weib spüren läßt, daß Liebe, bei un-gleichem Rcichthnm und Abstammen, nur Gnadensache sei. Ersprang finster auf. Wohl kannte er in dem reizenden, jugendlichenGeschöpf jene wandelbaren Launen, jenen kindischen Eigensinn eines