begleitete Euch nicht die Treulosigkeit bis zu den Schwellen meinerWohnung? Nun wißt Ihr, daß ich Euch kenne! Sehr schon,sagt man übrigens, sehr schön soll die Begntte sein, mit der Ihrnoch die letzte Nacht in der Herberge fröhlich wäret. Wohl! haltetdiese züchtige Vermummte aus Frankreich fest. Ich beneide Euchnicht und die Buhlerin nicht. Ihr hattet Unrecht, sie in großerFrühe fortzuschicken, sobald Ihr meine Anwesenheit in dieser Stadterfahren hattet. Ihr thatct übel, Euch Zwang anzulegen."
Zn der Ruhe seines Bewußtseins konnte der junge Ritter sichanfangs nicht des Erstaunens, nachher des Lächelns nicht erwehren.Mit wenigen Worten hoffte er sie zu enttäuschen. Aber so oft erzu reden begann, unterbrach sie die Rechtfertigung, ehe dieselbevollendet war, mit Widerlegungen, und ihre Widerlegungen mitneuen Vorwürfen.
Zuletzt erkor er jenes glückliche Mittel, welches manchem Ehe-mann bei der keifenden Hausehre zu statten kommt, nämlich schwei-gend den Sturm über sich hiubrausen zu lassen. Während des reg-samen Spieles ihres Züngleins betrachtete er mit Wohlgefallendie Jungfran, die selbst der Zorn nur weiblicher und reizendermachte. Ihr feuervoller Blick ward nur glänzender, das feineNoth ihrer Wangen nur höher. Die schwarzen Augenbraunen,welche sich, wie vom Schmerz des verwundeten Gcmüths, überder länglichen, sanftgcbogencn Nase zusammenzogen, bildete» dorteine leichte Falte und eine Schwellung der weißen Stirnhaut,die zugleich trotzigen Eigensinn und innigen Kummer bezeichneteu.Ihr dunkles Haar, über der Stirne von einem perlenreichen,diademartigen Goldkamm gehalten, wehte um Schläfe und Ohrenin einzelnen flämmenhaft gebogenen Locken. Das halbdurchsichtige,vielgefältelte Gewebe, welches, wie ein Nebel, ihren Busen um-wölkte, und hinter dem langen, griechischen Nacken in köstlichenSpitzenkragen halbmondförmig bis zur Mitte des HintcrkopfesAsch. Ns». V. 2"