— Und warum so kalt, mein edles Fräuleinerwiederle er,ihren Ton »achahmcnd, indem er sic fester an sich zog und sie dochrerwundert ansah, daß sie ihm den Kuß des Wiedersehens rersagte.
„Wie doch die Männer in Allem immer nur sich selber wieder-finden!" entgegnete sie. „Aber setzen wir uns."
— Nicht eher, angebctetcs Nrsi, bis mir dein Mund de» Kußdes Willkommens entrichtet hat.
Sie bot die Lippen mit halbem Sträuben. Dann führte er siezum Lehnsessel und wählte seinen Platz ihr gegenüber. Nun mußteer von seiner Ankunft in Brugg, von seinem Besuche im Hausedes alten Schultheißen, wo er sic zu finden gehofft, dann vonseinem Aufenthalt in Frankreich und am Hoflager des Königs,von den schönen Frauen in Paris, von ihrer jetzigen Kleidertrachtund Lebensweise erzählen. Seinen Betheuerungen, daß von allenjenen verführerische» Schönen keine ans sei» Herz Eindruck habemachen könne», begegnete der Unglaube ihres eifersüchtigen Zwei-felnS mit tausend Einwendungen. Doch am schwersten war ihmder Vorwurf zu besiegen, daß er während eines langen Viertel-jahres keine Stunde und keine Gelegenheit gefunden, der Branleinen Brief zu senden.
Gangolf kannte die Neigung seiner Verlobten zum verliebtenArgwohn, die launenhafte Heftigkeit ihrer Leidenschaft; doch hielter die Rede für scherzende Neckerei. bis eine Thräne ihrer dun-keln Augen den Ernst verkündete.
„Nein, Gangolf, nein!" rief sie und erglühte mit Stolz undUnwillen: „Ihr seid de» Männern gewöhnlichen Schlages gleich.Verantwortet Euch nicht. Ein Weib zu täuschen im liebendenGlauben scheint Euch leichtes, verzeihliches Werk. Diesmal seidIhr der Betrogene! Nicht was Ihr saget, »ein, was Ihr ver-schwieget, klagt Euch an. Es ist genug! — Ich begehre keinHerz, das ich mit Bettlerinnen zu theilen verdammt wäre. Oder