Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
46
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ehemals cntschnleigen, so müsset Ihr auch eine Entschuldigung dieserGewalt non heut' haben. Eben deshalb enden in der Welt dieKriege und Wiederkricge nicht. Jeder überwundene Fürst bricht,ohne Gewissensbisse, täglich den Vertrag, sobald er sich seinemvormaligen Besieger gewachsen fühlt.

Bemerket wohl, Herr Gangolf," sagte der Schultheiß,Bernhat uns nichts entrissen, sondern, was wir vordem besaßen, rechts-kräftig bestätigt, und hat nur genommen, was österreichisches Gutgewesen. Wollten wir uns gegen Bern auslehnen, so wären Ge-waltthat und Ungerechtigkeit auf unserer Seite."

Es ist nicht in meinem Sinne, Herr Schultheiß, versetzteGangolf: Bern und Oesterreichs Recht und Gut im Aargan zuverletzen. Mögen beide darüber ihren Streit führen. Aber derAargau sollte zwischen beiden unparteisam stehen, sich keinem opfern,sondern ein eigener, freier Stand werden, mit Vorbehalt fremdenRechts.

Laßt uns abbrechcn, Herr Gangolf; das ist Schwindelei unvTraum! Darüber werden unsere Städte nicht unter sich, und dieEdelleute nicht mit den Städten einig; denn im Adel ist Hoffart,Stolz und Tyrannei!"

Und in den Städten, murmelte Gangolf nnmuthig zwischenden Zähnen: geist- und herzarme Spießbürgcrei!

Das Gespräch dieser beiden Männer, welches sich schon mitbittern Empfindungen zu mischen anfing, war noch zu guter Zeitunterbrochen. Des Schultheißen Sohn, Herr Balthasar, unddessen junge Fra», traten herein, den Gast und Freund zu be-grüßen. Ihre redselige Höflichkeit nöthigte ihn, so vielen Erkun-digungen und Fragen Genüge zu leisten, daß es unmöglich wurde,den zerrissenen Faden der vorigen Unterhaltung wieder anzuknüpfenIndessen blieb von derselben in des Schultheißen Brust ein Ansatzargwöhnischer Unzufriedenheit gegen den Herrn von Trällere» zurück.