Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
45
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überrumpelte, besetzte und zur Beute machte. Was damals un-geschehen blieb, ist heute uachzuholeu!

Genau, lieber Herr, stehen wir noch wie damals," sagte Efsinger,als Städte und Edellcute gen Sursee ritten und nicht eins wer-den konnten. Der Adel will herrschen und großthnn, glaubt sichdazu geboren, und mag mit Stadtbürgern nicht gemeines Werkhaben. Unsere Städte aber selbst befeinden sich ebenfalls thörichterWeise unter einander. Es fehlt am besten Kitt unter uns, derheißt zu deutsch: Gemcüisinn, freier VaterlandSgeist. Darum er-lagen wir vor dreißig Jahren. Heute wäre dasselbe Beginnen eitelund noch dazu sträflicher; wir wären Aufruhrer, weil wir unsselber, und keine fremde Gewalt, von der rechtmäßigen Obrigkeitlöscten. Und wir haben unfern gnädigen Herren von Bern Huldi-gung geleistet!"

Huldigung l rief Gangolf mit Aufwallung: Ja, als wir,dle wir wehrlos waren, vor dreißig Jahren, überfallen und über-mannt wurden. So muß der Sklave huldigen, wenn ihn ein neuerHerr kauft. Aarau wollte schon damals widerstehen oder »ntergehen.Es war doch noch Muth und Geist in dieser Gemeinde. Die Bürger-schaft unterwarf sich freilich, als sic, »»gewarnt von Bern undSolothurn schwer umlagert, und inner kranken Ringgemäuern,ohne Trost, gedrängt ward. Gewalt aber ist kein Recht, sondernGewalt, Herr Schultheiß, und gezwungener Eid kein freier Vertrag!

Ei, ei, mein Herr und Freund," entgegnete fein lächelndder graue Geschäftsmann,sollten wir's damit so streng nehmen,so würde mehr als ein ganzes Reich keinen Fetzen Landes behalten,und Kriegen und Wiederkriegen, Eroberung und Abtrünnigkeit,ewig fortwähren. Es muß doch endlich eine Zeit kommen, da das,was die Gewalt der Umstände erzwungen, zum rechtsgültigen Zu-stand wird."

Könnt Ihr, Herr Schultheiß, die Gewalt der Umstände von