„Herr Schultheiß," versetzte der junge Ritter: „Euch in wob!bekannt, daß unser Haus von seinem alten Wohlstand durch man-cherlei Schicksal abgekommen ist. Ich bin ein junger Gesell, zumKriegshandwerk wie geboren und erzogen, und muß meinem Gluckunter fürstlichen Fahnen und an großen Höfe» nachjagen. Sitz'ich daheim im alten Thurm von Rore, fragt Niemand nach mir.Kaiserliche und königliche Gnadenbriefe wirft man Keinem zumFenster herein, und Göttin Fortuna ist aller Welt zu lieb, alsdaß sic im Frcihof zu Aarau Schutz suchen müßte."
„Ihr wollet Euch jedoch erinnern, Herr und Freund," sprachHerr Essingcr, „daß der Thurm Rore mit Zinsen, Zehenden,und Gefällen, ei» Lehen der Stadt Bern sei, welches sie, kraftobrigkeitlicher und lchensherrlicher Macht, Euch zucken könnte, soIhr mit den Oesterreichern gegen sie feindlich hieltet. Es scheintmir, man solle die Taube nicht aus der Hand fliegen lassen, bevordie Wildgans geschossen ist. Wenn Ihr nun den Freihof ver-löret'. "
— Mir will der Markgraf von Hochberg wohl! antworteteGangolf: Er steht beim Kaiser in hohem Ansehen. Auch wirdmich Hans von Falkenstein nicht fallen lassen, dessen Tochtermannich werde.
„Lieber Herr und Freund," entgegncte kopfschüttelnd der Schult-heiß : „ vertrauet heutiges Tages nicht auf Fürstenschwur und Edel-mannswort, denn beide sind mit Luft auf Luft geschrieben. Frei-herr Hans braucht für sein Wohlleben Größeres, als er vielleichtam Ende selbst besitzt. Schon hat er Farnsburg verpfändet; fragtin Seckingen, wo er mit der Hagcnbachin lustige Tage gelebt, obvon dem Gelde noch übrig sei? — Und Oesterreich, welches denAargau feierlich abgetreten hat, spricht wieder von Rechten darauf.Ihr spielet ein verwegenes Spiel, lieber Herr, dafür Euch dieEinen schlecht lohnen und die Andern übel danken werden."