Kaiser Albrecht, meuchlings erschlage» habe. Auch erzählte er,wie die Blutrache der Kaiserin Elisabeth und ihrer Tochter, derKönigin von Ungarland, gewüthet; bei tausend unschuldige Män-ner, Weiber und Kinder erwürgt, und aus dem Raube und Gntevon mehr denn hundert adelichen Geschlechtern, die durch Henkers-Hand vertilgt wurden, das Kloster aufgcrichtet habe.
Die Begutte hörte mit vieler Aufmerksamkeit den Erzähler an,der neben ihr hinging, und senkte von Zeit zu Zeit einen Blickauf dessen edle Gestalt. Die graue Filzkappe, mit der weißen undzinnoberrothen Feder, schien mehr zur Zierde, als Bedeckung, aufdem dunkeln, langgcringelten Lockenhaar zu liegen. DaS feine,festangcschlofscne WammS von grünem Zeuge, mit Schößen, dievorn und hinten fast bis zum Knie hingen, und auf beiden Seitenan den Hüsten offen waren, mit Goldband unterhalb besäumt,bezcichnetc mehr den schlanken Wuchs, als es ihn verbarg. Daskurzgestiefelte Bein ln langen Reiterhoscn bewegte sich mit leichtemSchritt über die unebene Landstraße hi», wie zum Tanz. So oftaber Gangolf im Gespräch das Auge zu der stillen Hörerin auf-schlng, senkte sie die Wimpern ernst und sittig nieder.
Bei der Langsamkeit der Reise trat die Nacht herein, che dieStadt erreicht wurde. Während das geschloffene Thor der Ring-mauer aufgethan ward, stieg der Lollhard auf der Brücke vomPferde und leitete es in die Stadt und die steile Straße hinaufbis vor die Thür der Herberge. Hier hob Gangolf die Begutte,deren Antlitz wieder vom Tuche bedeckt war, mit ritterlicher Höf-lichkeit vom Sattel ihres Esels. „Der Himmel lohne Euch, edlerHerr, was Ihr uns armen Leuten heut' gcthan!" sagte sie mithalblauter Stimme. Auch der Lollhard kam herbei, seine Erkennt-lichkeitsbezengungen zu wiederholen. Gangolf aber wünschte Beidengute Ruhe und folgte schnell den Knechte», die ihm mit brennen-den Kerzen ins Haus voranzündeten.