bisher keines Blickes gewürdigt halte, rennen zu lernen, wandteer den Kops ans die andere Seite.
Mehr, als der Alte, welcher mit gesenktem Haupte rasch vor-wärts schritt und die Lippen bewegte, als wenn er still für sichbetete, zog die Beguttc seine Aufmerksamkeit an, eben darumvielleicht, weil ihre Verhüllung seine Neugier mehr beschäftigenkönnte. Sie saß, gegen ihn gerichtet, gner ans dem Sattel, deneinen Fuß im eisernen Steigbügel, den andern frei hängend. Soviel von den Füßen unter dem Saum des faltenreichen Gewandessichtbar ward, ließ sich eine niedliche Form derselben, und einnoch sehr jugendliches Alter der frommen Reiterin ahnen. Damitschien auch die blendende Weiße nnd die Feinheit des Kinns übcr-cinzustimmcn, in welchem ein weich eingedrücktes Grübchen ganzunverkennbar war. Mehr als des Kinnes untern Theil oder sanft-gcrnndetcn Apfel, ließ das große, mantclähnliche Tuch nicht sehen,welches so weit über dem Gesicht nicderhing, und sich bei jedemSchritt wehend ab und zu bewegte.
Gangolf, weil er keinen andern Zeitvertreib hatte, verwandtesein Auge nicht von dem Grübchen in diesem Schneehügcl nnd be-dauerte heimlich beinahe, daß seine Braut des kleinen Reizes ent-behren müsse. Dicht unterm Kinn war das Kleid zusammengeheftct.So blieb der Weide seiner Augen nur ein kleiner Spielraum.Nichtsdestoweniger richtete er von Zeit zu Zeit immer wieder denBlick dahin; wohl auch in der Hoffnung, durch eine günstige Be-wegung des herabhängenden Tuches, oder durch die Güte einesLuftzuges, fernere Entdeckungen zu machen und die Lippen desMundes zu erblicken. Aber die Luft blieb still und bleiern schwerder Vorhang.
Einigemal schon hatte er sich vorgenommen, die stumme Reiterinanzusprcchen; aber immer wieder, er selbst wußte nicht, warum?unterdrückte er seine Worte. Plötzlich wandte sich die Begntte mit