Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
Seite
23
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Ort, eine Büßpredigt zu hören!" sagte Gangolf lächelnd:Ihrkönnet ihrer wohl bedürfen, Herr Marquard."

Nun so stimm' denn an, dn Stimme des Predigers in derWüste!" sagte Marquard zum Alten:Ich bi» ohnedem lang' inkeine Kirche gekommen."

Verschont mich, Herr, erwicdcrte der Alte, denn Ihr wolletmein spotten. Eure Ohren sind noch nicht gemacht zum Hören,Eure Augen noch nicht zum Sehen. Darum wißt Ihr nicht, werIhr seid und wo Ihr seid!

Zum Teufel, wer sagt dir, daß ich taub und blind bin? Frag'mich, was ich sehe, und ich will dir treffende Antwort geben, diedich freuen soll."

Nun denn, wißt Ihr, wo Ihr seid?

Entweder vor einem Bruder Lollhard, der nächstens gestäuptwird, oder es gibt keinen Lollhard*). Hab' ich'S getroffen?"

Wenn ich zu den Lollhardcn gehöre, was ficht cs Euch an?Aber Ihr sehet nur den Kittel, nicht den Leib; nur den Leib,nicht den Geist. Ihr kennt mich nicht, und Euch nicht, undEure Wege sind überall die Wege des Wahns. Darum kommtIhr nimmer zum Ziel, und gelanget bloß hin, wohin Ihr nichtbegehret.

Straf' mich Gott, darin hast du Recht, sonst war' ich nichtin dies stinkende Gewölbe, auf dem Schutt der Freudenau, indeine angenehme Gesellschaft gerathen."

Die ganze Welt ist eine zertrümmerte Freudenau, ein ver-wüstetes Paradies durch die Ruchlosigkeit der Sünder geworden.

*) Die Lollhardcn, oder Bcghardcn, Begutten, Beginnen, Klausner,waren im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert durch die Gebirgeund Ortschaften der Schweiz sehr verbreitet. Schon damals litt diesemystische Sekte schwere Verfolgungen, besonders von den Mönchsorden.