Druckschrift 
5 (1851)
Entstehung
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soncn auf einer schmalen, vermuthlich von Hirten der Gegend ge-zimmerten Holzbank. Es war eine männliche und eine weiblicheGestalt, die sich beim Eintritt der Fremden langsam erhoben,grüßend verneigten und wieder ans ihre Sitze niedcrließen.

Gangolf, der seine laugen, hellbraunen, vom Regen genetztenLocken ans dem Gesicht über die Achseln zurück strich, beachtetedie Anwesenden kaum. Desto mehr beschäftigte sich Herr Mar-qnardS Aufmerksamkeit mit ihnen. Er musterte beide neugierig.Das Frauenzimmer trug ein langes Gewand, gleich einer Kloster-frau, von grobem, halbwollenem, aschfarbenem Zeuge. Ein breitesTuch von demselben Stoffe hing über Kopf und Stirn herab, undüber die Achseln bis zu den Hüften nieder, gleich einem Mantel,vorn zusammengeschlagen, daß mau von dem verhüllten Gesichtenichts erblickte. Unterhalb des Mantels waren die Enden einesSeiles sichtbar, welches wahrscheinlich, um den Leib geschlungen,die Stelle des Gürtels versah.

Der Begleiter dieser Vermummten war ein starkknochiger, abermagerer Mensch von ungewöhnlicher Länge, der zwischen den Fünf-zigern und Sechszigern zu gehen schien. Aus seinem Gesicht, inwelchem ein düsterer, klaghafter Zug der Gebcrden erschien, ragtezwischen den hohen Backenknochen eine Nase hervor, die man fürsich selbst wohlgeformt genannt haben würde, wenn sie nicht fürdas schmale Hungcrgesicht eine ganz unvcrhältnißmäßige Größe ge-habt hätte. Wenn man dies seltsame Gesicht, dazu die langeneisgrauen Haupthaare und überhängenden Augenbrannen, so wie dengrauen in zwei Spitzen ans die Brust aus einander fallenden Barrsah, und daneben dann wieder den lebhaften, seelcnvolicn, durch-dringenden Blick der Hellen, großen Augen: man hätte schwörensollen, es schaue ein feuervoller Jüngling aus der vorgchaltenenLarve eines Greises. Der Alte trug auf dem Kopf ein rundes,kleines Hütchen, welches schon manches Jahr treue Dienste ver-