Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

138

glänzend, daß sie mit seinen Jahren nicht zusammenpaffenwollte. Während er den kurzen und bedeckten Spaziergangdurchschritt, welchen er mehr wegen der Bequemlichkeit, alsum des Alleinseins willen gewählt, zeigte sein nicht blos fester,sondern rüstiger und hurtiger Gang, daß noch jugendlicheKraft den bejahrten Körper belebte. Der alte König hieltseine Schreibtafel und einen Bleistift in den Händen undschien völlig in Gedanken verloren und gleichgültig dagegenzu sein, daß er auf der offenen Straße unter seinem höhergelegenen Spaziergang von mehreren Personen beobachtetwurde.

Einige davon sahen nach Anzug und Betragen selber wieTroubadours aus; denn sie hatten Geigen, Leyern, kleine,tragbare Harfen und andere Zeichen ihres Gewerbes bei sich.Sie schienen sich hier aufzuhalten, um Bemerkungen über dieBetrachtungen ihres Fürsten zu machen und sich einzuprägen.Andere Vorübergehende, welche eigenen und ernsthafteren Ge-schäften nachgingen, blickten auf den König, als auf einen,den sie tagtäglich zu sehen gewohnt waren. Doch gingen sienie vorüber, ohne ihre Mützen abzunehmen und durch einegeziemende Verbeugung eine Achtung und Zuneigung zu er-kennen zu geben, welche durch Herzlichkeit zu ersetzen schien,was ihr an tiefer und feierlicher Ehrerbietung abging.

Rene wußte indessen augenscheinlich weder etwas vondenen, die still standen und nach ihm heraufstarrten, noch vonden Grüßen der Vorbeigehenden. Sein Geist schien völligdurch irgend eine schwierige Aufgabe in Dichtkunst oder Musikin Anspruch genommen. Er ging schnell oder langsam, wiees der Gang seines Machwerks mit sich brachte. Manchmalstand er still, um schnell etwas in seine Schreibtafel zu be-merken, was ihm des Aufzeichnens werth schien; dann löschte