Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

zugleich mit so viel Vorsicht fort, daß nicht einmal das schlech-teste seiner Pferde dienstuntüchtig wurde.

Nach mehr als zweistündigem Ritt hatte sich das Ver-trauen des Anführers so gesteigert, daß er es wagte, hintereinem freundlichen Gehölz, welches seine Truppe verdeckt, Haltmachen zu lassen. Hier nahmen Reiter und Pferde einigeErfrischungen zu sich; denn man hatte sich mit Futter undLebensmitteln versehen. Itel Schreckenwald hielt ein kurzesGespräch mit dem Fräulein und kam dann zu seinem Reise-gefährten zurück. Er fuhr fort, ihn mit mürrischer Höflichkeitzu behandeln und lud ihn ein, an seinem Essen Theil zu neh-men. Dieses unterschied sich zwar wenig von dem, was denanderen Reisigen ausgetheilt wurde, ward aber mit besseren»Weine gewürzt.

Eure Gesundheit, Brüder," sagte er;wenn Ihr dieGeschickte des heutigen Tags getreulich erzählt, so werdet Ihreinräumen, daß ich mich gegen Euch vor zwei Stunden alsguter Kamerad erwiesen habe, da wir durch das Dorf Arn-heim kamen."

Das werde ich nie in Abrede stellen, guter Herr,er-wiederte Philipson,und ich sage Euch ineinen Dank fürEuren Beistand zur rechten Zeit; dabei ist einerlei, ob Ihrihn auf Befehl Eurer Gebieterin oder nach eigenem, gutenWillen geleistet."

Ho, ho! mein Freund!" rief Schreckenwald lachend;Ihr seid ein Philosoph und könnt Folgerungen ziehen, wäh-rend sich Euer Pferd auf Euch herumwälzt und ein Bären-häuter Euch das Schwert an die Gurgel hält? Nun, daEuer Witz so viel entdeckt hat, so liegt mir wenig daran, ob Ihrwißt oder nicht, daß ich mich nicht lange bedacht hätte, zwanzigsolche bartlose Herren, wie Ihr, aufzuopfern, ehe das junge