einstimmen und dcr Mensch an sich verachtungswürdig sein: aberder Beruf bleibt ehrwürdig, und die Fehler seines Herzens sindnicht ein Verbrechen seines Standes. Der Christ muß es nichtsein, welcher sich seinem gemeinschaftlichen Gottesdienst entzieht,weil er auch durch sein Beispiel verantwortlich ist, und bösesBeispiel noch verderblicher ist, als das böse Wort. Aber böseist das Beispiel für Alle, welche ohne innere Kraft find, undder äußern Stützen bedürfen, wenn sic dadurch ermuntert werden,den festen Stab von sich zu werfen, an welchem sic aufrecht undlöblich durch das Leben gingen.
Doch sollen wir von der andern Seite auch nie den wichtigenUnterschied zwischen Religion und Kirche außer Acht lassen; wirsollen nicht vergessen, daß die Religion Jesu unsere Hauptsachesei. Das Gesetz ist durch Mosen gegeben, die Gnade und Wahr-heit aber ist durch Jcsum Christum geworden. (Joh. 1, 17.)Was zur Zeit des Messias und seiner Jünger noch für viele Be-kenner des Herrn das Gesetz Mosis war: das ist in mancherRücksicht für uns die Kirche geworden. Auch sie verordnete Fest-tage, Opfer, Feierlichkeiten, heilige Handlungen und gottes-dienstliche Zeremonien. Aber nicht in diesen besteht die Religionselbst. Es bezeichnen sich auch Mörder mit dem Kreuz; cs gehenauch Ehebrecher zum Abendmahl. Es legen auch Diebe ihr Opferauf den Altar; cs werfen auch betrügerische Wucherer ihr Scherf-lcin in den Gottcskasten. Es gehen auch Heuchler zur Predigtund Messe; es beugen auch Ehrgeizige, Habsüchtige und Zänkerihre Knie betend im Tempel. Sind sie, weil sic mit Sorgfaltalle kirchlichen Vorschriften erfüllen, weil sic Gebete auswcnvigwissen, weil sie auf das Verdienst Jesu oder auf die Fürbittendcr Heiligen hoffen, weil sic an Fcgfcuer oder Gnadenwahlglauben, weil sie Wallfahrten thun, oder auf Kanzeln für sichbeten lassen — sind sic darum 'bei allen ihren Lastern Nachfolger