432
das Einvcrständniß, die Gemeinschaft der gleichgesinnten Christenznr Empfangnng und Uebnug des Glaubens, und zur Verehrungder Gottheit in allen ihren Verhältnissen zum menschlichen Ge-schlecht auf Erden. Die Religion ist das Unsichtbare, die Kirchedas Sichtbare. Die Religion ist die Seele, die Kirche dieirdische Hülle derselben.
Aber wenn gleich die Religion Jesu wichtiger ist für Weltund Ewigkeit, als die Kirche mit ihren Satzungen und Ge-bräuchen oder Lchrmcinungcn: ist darum die Kirche selbst fürden Christen eine ehrwürdige Stiftung, eine Nothwendigkeit.Wie der Mensch aus Geist und Leib besteht, und er des Sinn-lichen, als Werkzeug und Stütze des Geistes, keineswegs ent-behren kann: so ist auch die Religion und Kirche ein Ganzes,ein Engvcrbundenes, welches ohne Gefahr nicht wohl getrenntwerden kann. Spricht die Religion meinen Geist au, wie sichderselbe gegen die sinnliche Welt äußern und in ihr Gutes wirkensoll: so spricht die Kirche mein Irdisches an, wie es sich zumEwigen und Göttlichen erheben und das Geistige in mir unter-stützen soll.
ES ist ein Jrrthum, wenn Christen, zu welcher Glaubcns-partei sic auch gehören mögen, sprechen wollen: Ich bedarf derKirche nicht; bedarf nicht ihrer Einrichtungen, Vorschriften undHebungen. Ich kann ohne das Alles ein guter Christ sein undselig werden.
Freund, möchte ich zu ihm sagen, bist du unter den MillionenMenschen, die auf Erden leben, und die seit Jahrtausenden ge-lebt haben, der einzige Sterbliche, welchem zur Erhebung seinesGemüthes keine sinnliche Einwirkung und Hilfe vonnöthen war?Bist du der Einzige, dessen Gedächtnis; jede neue Mahnung undErweckung entbehren kann? Bist du der Einzige, welcher zuallen Tagen und Stunden gleich aufgelegt ist zu frommen Ent-