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ist die Unschuld und Gerechtigkeit jedes Tugendhaften.Denn Gott selbst ist ein Vater der Gerechtigkeit, er ist das hei-ligste der Wesen.
Es ist bei der Kurzsichtigkeit der Menschen und bei ihren lei-denschaftlichen Neigungen unmöglich, daß sie alle immer sogleichdas, was gut und recht ist, in seinem vollen Wcrthe anerkennen.Weil jeder seine von andern verschiedene Erfahrungen und An-sichten hat, und weil er nur nach diesen dasjenige benrtheilt,was er sieht, geschieht es gewöhnlich, daß er Alles für falsch,irrig und schlecht hält, was mit seinen bisherigen Vorstellungennicht übcrcinstimmt. Wenn dann dazu noch der traurige Hangder Menschen kommt, lieber von Andern das Schlechte zu glau-ben, als das Gute: so erklärt man sich es leicht, wie auch vieleRechtschaffene in ihrem besten Willen verkannt, und viele Un-schuldige ein Gegenstand der Verleumdung und des unverdien-i testen Haffes werden können.
Leider ist selten die Tugend gewöhnlicher Menschen stark ge-^ nug, sich nicht unter unerwarteten Stürmen zu beugen. Sie
können es nicht ertragen, sich einer gerechten Sache willen ver-folgt zu sehen. Zhr Herz wird entweder von Feigheit erfüllt,und sie lassen ihre gute Sache fahren, um nur die Gunst ohn-mächtiger Menschen nicht zu verlieren; verläugnen die Tugend,weil sie ihre Bequemlichkeit nicht verläugnen mögen; oder sic gc-rathcn in einen entgegengesetzten Fehler, in den des Menschen-haffes, der tiefen Erbitterung und Verachtung ihrer Zeitgenossen.So verderbte schon Mancher durch unzeitige Heftigkeit und lei-denschaftlichen Sinn das Gute selbst, was Andere aus Beschränkt-heit der Einsicht verhindern wollten, zu thun. So ward mancherGute, der sich freiwillig für die Tugend hingeopfert haben würde,wenn man nur seine redlichen Absichten anerkannt hatte, ausMißmuth fahrlässig, oder, weil er engherzige Selbstsüchtige nicht