Druckschrift 
6 (1853)
Seite
408
Einzelbild herunterladen
 

408

lebr, versucht noch heutiges Tages mancher Edle das Gute,und wird mit dem Guten, was er thut, unterdrückt, weil ergegen den irdischen Nutzen mancher Mächtigen anstößt. VonJesu Geist belebt, sucht noch heutiges Tages mancher Weise Lichtund Recht herrschend zu machen ans Erden, aber er wird alsein unbefugter Aufklärer und Neuerer beschimpft, weil durch seinBemühen mancher Ehrgeizige vom alten Ansehen zu verlierenfürchtet. Von Jesu Geist belebt möchte sich heute mancher Tugend-hafte für das gemeine Beste aufopfern, aber die selbstsüchtigeWelt nennt seine edle Uneigcnnützigkeit ein thörichtes Wesen,oder eine versteckte Schlauheit, und begreift nicht, wie der Mannvon geringer Herkunft, von geringem Vermögen, im..schlichtenGewand, etwas Erhabeneres thun könne, als ste selbst.

So wurden ja von jeher die meisten Wohlthätcr des mensch-lichen Geschlechts während ihres Lebens verachtet und verstoßen;sie waren der Spott oder Abscheu der Großen, der Schriftgclehrtcnvoll pharisäischen Eigendünkels, oder des blinden Pöbels; mansah sic in Kerkern und Ketten; mau sah sie zur Dunkelheit, oderzum Giftbecher, oder zum Scheiterhaufen verdammt.

Denn diejenigen, welche mit Ernst und Weisheit und gött-lichem Eifer den Verbrechen des gemeinen Lebens den Krieg an-kündigen, haben die verbrecherische Welt zur unversöhnlichenFeindin. Die, welche durch Geisteskraft und Einsicht hoch überihr Zeitalter erhaben stehen, und die versunkene Menschheit zusich emporhebcn wollen, werden von dieser nicht begriffen, sondernverkannt und verlästert. Die, welche das Schädliche und Ruch-lose einreißcn wollen, müssen die Rache derer fürchten, welchevon der Beute der Ruchlosigkeit satt wurden. Die fleißige Hand,welche den Garten des Herrn vom Unkraut säubern will, darfnichts Anderes erwarten, als Schmerz und Wunden von denNesseln und Dornen, die sic auszujäten hat.