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6 (1853)
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uns hättest Du Deine blutdürstigen Verfolger, Deinen Verräthcr,Deinen unbarmherzigen Ankläger, Deine weltschändcrischcn Rich-ter gefunden, denen an einem Menschenleben wenig gelegen ist,wenn sic nur ihren Vortheil wissen. Auch unter uns wärest Dunicht sicher gewesen; ja, eben diejenigen, welche heute vor Direifrig in den Tempeln knien und beten, weil sic in Dir denWeltrichter fürchten, würden Dich als einen Schwärmer oderAufrührer, als einen Gotteslästerer und Ketzer, oder als einenFeind der bestehenden Ordnung, als einen furchtbaren Neuereranfallcn, wenn Du ihnen in Deiner anspruchloscn Einfalt, zwarvoll göttlichen Geistes in Wort und Werk, aber im geringenGewand eines der Niedrigsten im Volk erschienen wärest. Dennwie einst, richtet auch heute noch der Sterbliche nach dem Schein !Und wie einst, wüthct auch heute noch der unbändige Stolz unddie Alles verachtende Selbstsucht gegen das, was ihren Vortheilenim Wege zu stehen scheint.

Ich will jene Tage, da der Messias auf Erden lebte, nichtverdammen, um die heutigen erheben zu können.

Ich gedenke mit schüchternem Herzen, daß am Wcltgcrichts-morgcn auch an uns die Stimme ergehen könnte: Ich bin untereuch gewesen, und ihr habt mich nicht erkennen wollen; ich binein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ich binnackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich binkrank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht!Auch dann werden Viele der Unsrigcn rufen, wie dort im Evan-gelium: Herr, wann haben wir dich gesehen? Und er wird ihnenantworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nichtgcthan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mirauch nicht gethan! (Matth. 25, 33 45.)

Ja, Christus ist auch heute noch unter uns, und wir wollenihn nicht erkennen Bon seinem menschenfreundlichen Geiste be-