390
seine Kirche wäre gesunken, seine Lehre unzulänglich für die Weltgefunden worden. Er hatte den Muth, für das göttliche Wortin den Tod zu gehen, darum ward das Kreuz, an dem er sterbensollte, das Sinnzeichen seiner Offenbarungen und der Schmuckseiner triumphirendcn Religion.
Gebunden und mißhandelt, verspottet und mit Fäusten ge-schlagen, ward Jesus von seinen Feinden von Richtcrstuhl zuNichterstuhl geschleppt. — Umsonst kehrte der Verräthcr Judaszurück, und rief: Ich habe übel gcthan, ich habe un-schuldig Blut verrathcn! Umsonst warf er den Hohen-priestern das Sündengeld im Tempel vor die Füße; umsonstwusch Pilatus die Hände vor dem Volk, und rief: Ich binunschuldig an dem Blut dieses Gerechten!
Der Wahnsinn des empörten, wilden Volkes forderte dasLeben des heiligsten Menschen: Sein Blut komme über uns undunsere Kinder!
Leidender Erlöser, die Stunde Deiner tiefsten Erniedrigungund Noth war nun gekommen! Sie war die Stunde DeinerVergöttlichung!
Sic flochten eine Dornenkrone, und setzten sie aus sein blutiges,zerschlagenes Haupt — sic drückten fluchend in die Hand, welchesie gesegnet hatte, ein Rohr, und nannten cs spottend seinenScepter; sie warfen ihm einen Purpurmantel um die entblößten,wunden Schultern, und sprachen: Gegrüßcst seist Du, König derJuden! — Und als er unter der Gewalt so vieler Leiden, nachGolgatha hinausgeführt, entkräftet hinsank; als er, welcher derWelt den Frieden des Himmels, der Seelen höchstes Glück gegebenschmachtend um einen Trunk frischen Wassers flehte, versagt«sie ihm mit höllischer Unbarmherzigkeit die letzte Bitte — siegaben ihm Essig zu trinken, mit Wasser vermischt.
Auch da noch, als der göttliche Dulder am Kreuze butete,