Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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geworden; hast Du mich von der Finsterniß des Jrrthums, vonder Gewalt der Sünde, von dem Schatten und der Furcht desTodes erlöset.

Eine durch Dich verklärte Gcistcrwelt betete vor dem Thronedes himmlischen Vaters, und stammelte ihm, dem Anbetung undPreis gebührt von Ewigkeit zu Ewigkeit, ihren Dank für DeineSendung; eine durch Dich beseligte Welt lag zu Deinen Füßen;ein durch Dich veredeltes und besser gewordenes Menschengeschlechtlag schon in einer Reihe von Jahrhunderten vor Dir und wasthat die Welt für Dich, o mein Erlöser, der Du so viel für siegethan?

Schmach und Hohn, Verfolgung und Spott, Armuth undElend der Tod am Kreuze war Dein Lohn! Mit Blindheitgeschlagen, mußte stc Dich verkennen. Sic erwartete von Direine hohe, irdische Macht, und Du bereitetest ihr ein himmlischesReich. Sie wollte Dich in Palästen und auf Thronen sehen; Duzeigtest, der göttlich-denkende Mensch bedürfe auch in der Niedrig-keit des Staubes keines andern Glanzes, um erhaben zu sein.

Da verließ Dich, des Volkes blinder, waükelmüthigcr Haufe,und in seiner irdischen, eiteln Erwartung getäuscht, machte erseine eigene Schuld zu Deinem Verbrechen.

Da verließ Dich Deiner eigenen Jünger einer. Judas, denDu ausgenommen hattest unter die Freunde Deines Herzens,Judas, dessen Wohlthäter, dessen Bruder, dessen Vater, dessenLehrer Du gewesen warst er verließ Dich, er ging von DeinemTisch, vom Mahle Deiner Liebe hinweg, um Dich für ein schnödes,verruchtes Geld zu vcrrathen. Schon suchten Dich Deine Feinde,schon war die furchtbare Verschwörung gegen Dein heiliges Lebengemacht. Es fehlte nur noch ein Verräther, der Dich in ihreHände ausliefern könnte und er war gefunden mitten unterden Deinigen.