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6 (1853)
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Vernunft, sonder» auch aus Gefühl besteht des Menschen Gemüth.Der beste der Sterblichen, mit aller Einsicht des Guten undNützlichen, wird endlich matt für die Tugend, wenn nicht vonZeit zu Zeit ein feierlicher Umstand seine Gefühle erweckt undseine Kraft erhebt. Der beste der Sterblichen ist nicht zu allenStunden gleich aufgelegt, die Hoheit seiner Seele in herrlichenHandlungen zu äußern; er bedarf eines großen Reizmittels fürden abgespannten Geist, und dies ist, mehr als alles Andere,eine sinnbildliche Feierlichkeit, zumal eine heilige Feierlichkeit, wiedie des Nachtmahls der Christen. Hier wird der Triumph allerTugenden begangen, deren die menschliche Natur je fähig war undsein wird; hier der Siegertod eines Wclterlösers gefeiert, der seinBlut für uns vergoß; hier seine Stiftung gehalten, welche daserste ursprüngliche Verhältniß der Sterblichen unter sich und zuGott wieder herstellt. Denn siehe, wie einst vor des WeltrichtersThrone, fallen hier die Schranken irdischen Unterschiedes aus ein-ander; hier ist nicht vornehm, nicht reich; hier scheidet nicht edlesund unedles Geblüt; hier naht sich der gebeugte Greis und derhochaufstrebcndc Jüngling mit gleichem Schritte dem Liebesmahlesic find Brüder durch Jesum! Hier naht der Fürst und der Bettler-der Gerechte und der reuige Sünder dem Tisch des Herrn miteinerlei erhabenen Hoffnungen und einerlei Tröste: sie sindhier als Kinder eines und desselben Gottes, den sie Vater nennendürfen, weil Jesus es uns gelehrt hat.

Aber wohl mehr als eine bloße Gedächtnißfcier des TodesJesu, wohl mehr als eine kalte, sinnbildliche Handlung, ist dasAbendmahl der Christen. Und es soll mehr sein, dem Geistegemäß, in welchem es der Weiseste dieses Lebens anordnete,der Gottmensch, Jesus der Christ!

ES ist das heilige Abendmahl dieBermählung der Gei-