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/ völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. —Wer sich aber fürchtet, der ist nicht in der Liebe. (1. Joh. 4,18.)
Noch öfter aber entsteht jene Niedergeschlagenheit und geistigeSchwermuth aus falschen Vorstellungen und Begriffen von Gott.Sie wird durch schwärmerische Lehren solcher Menschen erzeugt,welche die Religion mehr in Empfindclcicn des Herzens undSeufzen über die Sünden der Welt, in verkehrte Einbildungenvom Zweck unsers Hierseins, in beständige Ermahnungen zurReue, zur Buße, zur Zerknirschung des Herzens setzen, statt inthätigcs Christenthum, statt in heitern, gottgefälligen Wandel.Sie wird durch das Lesen solcher Bücher erzeugt, welche vonschwermüthigen Personen niedcrgcschricbcn worden sind, die selbstvon Gott nur unwürdige Vorstellungen hatten; die sich in dun-keln Gefühlen umhertricbcn; die sich die Begriffe von dem, wasReue, was Buße sei, nie recht klar werden ließen; die in Gottnur den strengen, unvcrsöhnbarcn Richter unserer Sünden, nichtaber den Vater voll unendlicher Liebe sehen; die mehr auf dieEingebungen ihrer eigenen Schwermuth, ihrer eigenen Einbil-dungskraft, als auf die lauten, wahrhcitvollcn und allcinwahrcnWorte der heiligen Schrift achten.
Gnädig und barmherzig ist der Herr, ruft David (Ps. 145,8. 9), geduldig und von großer Güte. Der Herr ist allein gütig,und erbarmt sich aller seiner Werke!
Wohlan denn, du bekümmertes Herz, so ist er auch gegendich gütig, so wird er cs ewig sein. Auch du bist sein Werk,und er erbarmt sich ja aller seiner Werke. Dein Kummer, deinVerzweifeln an Gottes Gnade, dein Mißtrauen entehren dich;in dir ist.nicht Jesu Geist. Deine Schwermuth ist eine neueSünde, denn sie lähmt dich in der Kraft zu vielem Guten; siemacht dich ungesellig für deine Freunde, und quält ihr Herz.Nur der freudige, auf Gott vertrauende Mensch, welcher mit