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Gott ist der Allerbarmer! — Wo ist ei» leibendes,schwcrmuthvolles Herz, welches, erschrocken über den Leichtsinnseines Lebens, gefoltert von unversöhnlichen Vorwürfen, anGottes Gnade verzweifelt? Ich will ihm zurufen: Gott ist derAllerbarmer! Ermanne dich, gebeugte Seele, schau empor zudem liebenden Vater. Er sah deine Thränen, wie deine Sünden;er sah deinen Leichtsinn, wie deine Sclbstpein. Warum zitterstLu vor seiner Liebe? — Warum trauerst du hoffnungslos, undquälest dich mit schmerzlichen Vorwürfen? Gott ist allbarmherzig,wie er ewig ist. Gott sucht dich! — Richte dich empor, deinVater sucht dich, der sich seines Kindes so gern erbarmt. Streckedeine Arme gen Himmel, versöhne dich mit dir selber, denn Gottist schon versöhnt. Er zürnet nie! Er ist die Liebe, die ewige,die unbegreifliche. Und darum sandte er uns seinen göttlichenSohn in die Welt, daß dieser uns durch sein Wort und seinBlut für die Freuden der Ewigkeit erkaufe. — Verzweiflenicht, gebeugte Seele, dein Gott ist der Allbarm-herzigc.
Zwar deine Schwermuth ist ehrenvoll. Sie quillt aus demBewußtsein deiner Unwürdigkcit. — Deine Schwermuth ist wohl-thätig, denn durch sie reifest dir zur Erkenntniß deiner Sündhaf-tigkeit und der Gnade Gottes, und wie sehr du derselben bedarfst,und wie du nichts durch deine eigene Kraft, nichts durch deineigenes Verdienst erwerben kannst, sondern Alles, Alles von derGnade des Allgnädigen erwarten mußt. — Aber, wenn du sprichstund glaubst: Gott ist unser Vater, Gott ist der Allerbarmer —er ist es für die Welt, und ist cs auch für dich! — warum be-harrest du in deiner Niedergeschlagenheit? — warum in deinemVerzweifeln an seiner Gnade? — Warum gibt dieser trostvolleGedanke, in welchem ein ganzer Himmel eingcschlossen ist, dirkeinen Trost? — Warum bekennt deine Lippe eine Wahrheit, die