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Diese Sitte widerspricht freilich gewissermaßen der mensch-lichen Natur, aber doch ist sie nicht ohne einen erhabenen Ge-danken, welcher zur Ueberlegung reizt. Es ist etwas Wahresvarin, daß wir uns eigentlich nicht immer über die Geburt einesMenschen zu freue» haben, dessen Schicksale uns noch von derwohlthucndcn Hand der Zukunft verschleiert sind. Es ist etwasWahres darin, daß wir den Todestag als ein Erlösungsfcst derSeele von ihren irdischen Banden betrachten müssen. Allein nichtdas, was dem ucugeborncn Kinde bevorsteht, haben wir eigent-lich zu beklagen — kein anderes Schicksal, als was cS sich selbstdurch seine künftige Denkart erwirbt, oder was ihmDottes Vcucr-güte bereitet hat, erwartet dasselbe — sondern wir haben unsseines Daseins zu erfreuen, weil Gottes Gnade auch diese Seeleins Leben rief, um sie, und vielleicht auch durch sie gutc Aclternzu beglücke». Eben so wenig können wir eigentlich den Todestagdes Menschen immer als den Erlösungstag von irdischen Leidenmit Frohlocken feiern; denn diese Erdenwelt als einen Aufenthaltdes Jammers zu denken, ist der Wahrheit widersprechend, derBarmherzigkeit und Liebe des ewigen Vaters zuwidcrgedacht, undkeineswegs mit Jesu Sinn-vereinbar. Auch ist nur für guteChristen, für wahrhaft edle Seelen, die Stunde der endliche»Auflösung im Tode eine freudige Wiedergeburt zu einem voll-kommener» Leben. Wer möchte sich beim Tode des Sündersfreuen, den sein Gericht unfehlbar erwartet!
Immer ist jedoch für den nachdenkcndcn Christen, dem nichtsim Lebe» ganz gleichgültig ist, der Jahrestag seines Eintrittsin diese Welt ein wichtiger Tag, an welchen sich große Erinne-rungen knüpfen. Dieser Tag ist eine entscheidende Stufe in seinemLebenslauf, und solcher Stufen sind wenige. Es gilt hier imGewöhnlichen das, was im Gebet Moses, des Mannes Gottes,über die Hinfälligkeit unsers Daseins gesagt wird. Unser Leben