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6 (1853)
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schickliche Zeit erwähle, in der ich mein Gemüth von andernSorgen zu befreien fähig bin. Der Mensch denkt und handeltin der Zeit. Er ist im gleichen Augenblicke nicht zwei verschie-dener Gcdankenlund zwei verschiedener Gefühle zugleich mächtig.Er must in jedem Augenblick und auf jeder Stelle immer oasganz sein, was der Augenblick und die Stelle von ihm fordert.Wer zweien Herren dienen will, wird beiden unnütz. Gehöre zurrechten Zeit Gott, zur rechten Zeit dem Glück und dem Wohl-ergehen deiner Mitmenschen. Wenn die heilige Schrift gebietet:habe Gott beständig vor Augen, so hcistt dies nicht, unaufhör-lich an Gott denken. Menschen, die dies versuchen, treiben dasUnmögliche. Sic werden Träumer oder Schwärmer, Kopfhänger,und endlich frömmelnde Heuchler, die sich selbst täuschen.

Am leichtesten geschieht die Vergegenwärtigung frommer Ge-sinnungen durch Annahme eines festen Lcbcnögrundsatzes, dessenWahrheit und Ersprießlichkeit uns vollkommen einlcuchtet. Aneinen solchen Grundsatz, dem unser Inneres gleichsam Treue ge-schworen hat, können wir uns selbst im vollkommensten Getüm-mel des Lebens erinnern. Ein flüchtiger Gedanke daran ist genug,uns die gehörige Richtung und Stärke zu geben, daß wir wohl-gefällig vor Gott wandeln, wenn wir gleich nicht beten.

Wähle dir einen solchen Grundsatz nach deinemeigenen Bedürfnis; und die Abschaffung deines größtenFehlers, demjenigen, der dir die meisten Unannchmlichkeimi ver-ursacht, oder der den Andern am kränkendsten ist, das ist deindringendstes Bedürfnis;. Alles wird dich dann im gemeinenLeben an deinen Grundsatz erinnern, und dein Fehler, deine böseNeigung dir am öftersten das vergegenwärtigen, was du in einerheiligen Stunde beschlossen hattest. Das heißt Gott rechtschaffenverehren im Geist und in der Wahrheit. Da wird unser ganzerLebenslauf zum Gebet, selbst wenn wir keine Hände zum Him-