317
des GcmüthcS gedacht und geschrieben, soll keine Hauptbeschäf-tigung der Jugend sein; und der reizende Leckerbissen darf niedie Stelle der stärkenden Nahrung vertreten.
Jüngling, ich spreche von deiner Zukunft, von dem Glückdeines ganzen Lebens, von der Wahl deines Standes und Be-rufes. — Dir mehr, als jedem Andern, ist an deinem eigenenLoose gelegen. Erwäge crnstvoll, in welche bürgerliche Laufbahndu für die ganze Lebenszeit cintreten willst. Zurückzntrctcn istnicht mehr leicht, oft unmöglich.
Wähle nicht aus Stolz oder Eitelkeit, und mit alberner,leichtfertiger Erwartung der Glücksgunst, dein künftiges Lebens-geschäft: sondern prüfe, wozu du am geschicktesten bist, und worindu einst etwas Ausgezeichnetes leisten könnest. Aber bedenke zu-gleich, ob du auch die äußern Hilfsmittel hast, die erforder-lich sind, um dir in der Laufbahn, die du dir wünschest, sort-zuhelfen. — Wähle nie aus Stolz und Eitelkeit, sondern in derUeberzcugung, daß du da deine Anlagen, die du von Gott em-pfingst, auf das Nützlichste für Andere anwendcn kannst. Siehnicht allein auf Ehre, auf leichten Erwerb; sondern aufsichern Erwerb, und auf die Gewißheit, daß du deinem StaudeEhre bringen werdest. Wahrlich, jeder Stand ist ehrenvoll, wenndu der Mann bist, durch Kenntniß und Fleiß und Geschicklichkeitdie darin liegende Ehre hcrvorzuhcben. Wähle, aber mit Um-sicht und mit Rücksicht auf die Menge derjenigen Personen, welchesich der gleichen Berufsart widmen, und mit denen allen du inden Wettkampf treten mußt. Was hast du vor ihnen voraus?
Wähle, aber denke daran, daß ein weiser Mensch in jederLage des Lebens, auf jeder Stelle, sie sei hoch oder niedrig, aufseinem rechten Platze steht. Denke, daß es besser sei, dct Erstein einem weniger glänzenden Beruf, als der Letzte in einemvornehmcrn Stande zu sein!