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6 (1853)
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wird dann die Ehe selten so beglückend siir das ganze Leben, alssie es sein könnte, besonders wenn auch noch Kinder fehlen, diedas leere, freudenlose Herz der Gattin mit schönen Muttcrgefühlenerfüllen. Die Einförmigkeit des häuslichen Lebens vermehrt dieunangenehmen Empfindungen dessen, was man entbehrt. DieEinbildungskraft beschäftigt sich mit stillen, oft selbst unerlaubtenWünschen. Man betrachtet sich als ein trauriges Opfer dcSSchicksals, oder sucht Ersatz in,unhäuslichcn Zerstreuungen. §MHauswesen leidet; dem Gatten selbst ist nicht wohl in seinerWohnung, und er sucht Genuß und Erheiterung an fremdenOrten. Das Ehepaar wird nie so herzlich vertrant, als es zuwünschen wäre. Jeder behält noch gewisse Gedanken und Wünscheim Innersten des Gemüths zurück, die nicht gcoffenbaret seinwollen. So wird nicht selten der Grund zu einer nachmaligengegenseitigen Fremdwerdung gelegt, die zu mancherlei Mißver-ständnissen Anlaß gibt, und oft, wenn noch ein unkluges Be-nehmen dazu kommt, Ehestreit, Feindseligkeit und ewigen Hadererzeugt, bis das heilige Band gebrochen, oder obrigkeitlich anf-gelöset wird.

So ist es nur allgewiß, daß der Widerspruch des Berufesund Standes mit den Neigungen der Menschen eine der gemein-sten und furchtbarsten Quellen ihres Elendes ist. Woher entstehtaber meistens dies Nebel, welches die häusliche Glückseligkeit inihren tiefsten Wurzeln vernichtet?

Allerdings legt die Hand des Schicksals selbst oft schon frühden wichtigsten Grund dazu. Nicht der Mensch gibt sich seineAnlagen; sie werden ihm angeboren. Entwickelt müssen sie wer-den durch Erziehung und Erfahrungen. Eben diese Anlagen sindgewöhnlich auch der Keim einer vorherrschenden Neigung desMenschen zu dieser oder jener, seinen besondere! Fähigkeiten ent-sprechenden Lebensart und Beschäftigung. Wenn nun das gleiche