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6 (1853)
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In der That, nichts ist trauriger, als solcher Zustand, dennder Mensch lebt bei demselben in einem unaufhörlichen Wider-spruch mit sich selbst. Seine Sehnsucht schwebt immer über seinenBcrufskrcis hinweg. Seine geheimen Neigungen stehen beständigim Streit mit den Pflichten, die er üben soll. Es ekeln ihn diegewöhnlichen Geschäfte seines Lebens an, er treibt sie mit lauerGleichgültigkeit, oder wohl gar mit Widerwillen. Er blickt nieohne geheimen Schmerz auf das Loos Anderer, die es besserhaben, oder zu haben scheine», als er. Er sieht überall in seinenVerhältnissen nur Dornen, statt der Rosen; er beschäftigt sichmit allen übrigen Dingen voll größer» Eifers, als mit denen,die er berufsmäßig zu besorgen hat. Darüber erwächst ihm nunmancherlei Ungemach. Aber selbst die Vorwürfe, die er wegennachlässiger Behandlung seiner pflichtmäßigeu Arbeiten erfährt,kränken ihn nur wenig. Er tröstet sich nur damit, daß cs nichtanders könne; daß es noch viel sei, wenn es nur so gcrathe undgehe, wie es geht und geräth, da er doch Alles ohne Lnst undLiebe thue. Wäre er in seiner ihm angemessenen Lage; hätteer den Stand, das Gewerbe, zu welchem ihn seine Neigungenhinziehcu: er würde vortrefflicher, eifriger, ruhmwürdiger er-scheinen, als Mancher, der jetzt das bessere Loos hat, aber esnicht zu benutzen versteht. Er klagt heimlich seine Aeltcrn, seineVerwandten oder das Schicksal überhaupt an, daß er nicht in derWelt auf demjenigen Platze stehe, wohin er eigentlich gehöre.

Aehnlicher Mißmuth, wie bei den Männern mit dem Beruf,zu welchem sie bestimmt worden sind, quält manches heimlichleidende Weib in Rücksicht der ehelichen Verbindung, zu welcheres genöthigt worden ist. Weibliche Personen haben gewöhnlicheben so wenig ganz freie Wahl in Rücksicht des künftigen Gatten,seiner Eigenschaften und seines bürgerlichen Standes, als Jüng-linge haben in Rücksicht des zu ergreifenden Berufes. Daher