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fertige und Erweckte ansicht. Er maßt sich au, Herz und Glau-be» der Sterblichen zu richte», während doch Gott allein nurdie Herzen prüfen, die Gewissen richten kann. Die Schwärmereimacht gegen Andersdenkende mehr oder weniger mißtrauisch, her-absetzend, ungesellig, oft sogar feindselig.
Das aber ist keine reine Gottesliebe, dies kein wahres Chri-stcnthum. Was Jesus während seiner Menschheit auf Erdenempfand im Innersten seines Herzens, das bewahrte er darin;öffentlich aber und im Geheimen handelte er nach GottesWillen. Seine Gottesvcrehrung, die er uns zum Muster dar-stellte, war kein stundenlanges Beten, war kein Ausschmückcn vonAltären, Gräbern, Tempeln, war kein beständiges Weinen,Seufzen und Betrachten: sondern er betete im freien Felde, aufder Reise wie im Tempel; ein Gedanke an den Allmächtigen galtihm schon dem Gebete gleich; er sann jeden Augenblick nach: wasist jetzt noch, das ich zum Besten meiner Brüder auf Erden thunkönnte? und that cs.
Was aber die Einmischungen der Gefühle und Empfindungenin die Religion am gefährlichsten macht, ist, das ihr Ucbermaßnicht nur zur unfruchtbaren Schwärmerei, zum thörichten Aber-glauben verleitet, sondern sogar — wer sollte cs glauben? —zur Jrreligion und Verachtung der Religion!
Denn da lebhafte und überspannte Gefühle ihrer eigenen Naturnach nicht von Dauer sein können, geschieht es oft, daß Menschen,die daraus sonst die Hauptsache ihrer Frömmigkeit machten, end-lich erkalten und zum ruhigen Nachdenken übergehen. Dann findensie selbst, daß ihre ehemaligen Empfindungen übertrieben, ihreVorstellungen ohne Ordnung und Wahrheit gewesen. Sie findenden Zustand, in welchem sie damals waren, den Begriffen einergesunden Vernunft nicht angemessen, oft sogar lächerlich. Sieschämen sich desselben. Sie fassen Argwohn gegen Alles Andere,