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6 (1853)
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unbesonnenen Macht der Gefühle, welche in religiöse Gesinnungenund Handlungen übertragen worden. Leider ist es vielen Sterb-lichen angenehmer, mit Empfindungen zu spielen, als mit Selbst-aufopferung Gutes zu thun; cs ist ihnen leichter, im Tempel,oder in der Einsamkeit Thränen der Andacht zu vergießen undThräncn der Rührung, als hinzugehcn, mit Entbehrung eigenerBequemlichkeiten Thräncn des Elendes von den Wangen unglück-seliger Brüder zu trocknen. Es ist ihnen leichter das Gebet, alsdie mühsame Arbeit; leichter, den Eingebungen einer gereiztenEinbildungskraft in schwärmerischen Betrachtungen zu folgen, alsernst und gründlich über ihre Pflichten nachzudenken, die ihnenJesus vorschricb.

Daher wird die Religion bei manchen Menschen nur zur tän-.delnden, das Gemüth auf eine anmuthige Weise beschäftigendenUnterhaltung, nicht zum Kampf über anklcbcndc Fehler und Leiden-schaften. Man gefällt sich, Jesu die schmeichelhaftesten Namenbeizulcgcn, und mit dem erhabensten Wesen kindlich zu spielen,statt zu gehen, wie er, durch Sturm und Todcsnacht, und fürdas Glück des menschlichen Geschlechts wohlthätige Thaten zuverrichten. Man gefällt sich in Träumen, aber weiß sich imWachen und Handeln nicht zurecht zu finden.

Nichts ist in solchen Gemüthszuständcn leichter, als unver-merkt in seltsame Verirrung des Geistes, in verderbliche Schwär-mereien zu gerathcn, wo man der Hauptsache des ChristcnthnmSvergißt und sich in Nebendingen verliert. Nichts ist dann leichter,als daß der Schwärmer voll stolzer Selbstzufriedenheit glaubt,das beste Thcil erwählt zu haben, und diejenigen Christen ver-achtet oder in allem Ernst bemitleidet, welche nicht so empfindenund fühlen und glauben, wie er. Er hält nur zu demjenigen,der mit ihm gleichen Sinnes ist, und macht eine Scheidewandzwischen sich und Andern, die er noch nicht für Bekehrte, Buß-