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6 (1853)
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Unschuld ehrt, einen schmerzlichen Vorwurf gegen sich selbst. Ersucht sich daher Alles glcichzustcllcn, und das Erhabene niedcr-znrcißcn. Er wird Verführer, ohne andern Zweck, als nur nichtvor feinet eigenen Schlechtigkeit crröthen zu müssen. So erklärtsich die rastlose Geschäftigkeit verdorbener Menschen, ihre laster-haften Grundsätze weiter auszubrciten, und besonders unschuldigeHerzen zu vergiften.

Die bösesten und gefährlichsten aller Gesellschaf-ten sind aber in unfern Tagen sittcuverdcrblicheBücher und unanständige Bilder. Diese Verführungs-Mittel waren in den ehemaligen Zeiten seltener, als menschlicheKunst cs noch nicht dahin gebracht hatte, das geschriebene Wortin kurzer Zeit zu vertausendfachen. Jetzt sind die schwärmerischenThorheiten eines einzigen Ungesitteten, die Vorstellungen, womitirgend ein schamloser Elender seine Einbildungskraft kitzelte, plötz-lich durch Druck und Zeichnung das gemeinschaftliche Eigcnthumeines Jeden. Der Reiz, den viele Bücher haben, die, ohne an-dern Werth und Zweck, nur zur Beschäftigung einer müßigenEinbildungskraft von gewissen- und herzlosen Müßiggängern ge-schaffen wurden, befördert das gcist- und Herz- und zeittödtendeViellesen in allen Ständen. Umsonst bewacht manche gute Mutterdie Unschuld ihrer Tochter; ach, diese ist schon verloren. Ver-giftet ward sic durch einen unbekannten Mörder, durch ein Buch.Umsonst ermahnt der Vater den Sohn zur Heilighaltung einesunbefleckten Herzens; umsonst gibt er ihm das Beispiel holderSchamhaftigkeit; umsonst bewacht er ihn gegen den Einfluß schlech-ter Gesellschaften er konnte ihn nicht gegen das betäubendeGift eines einzigen Buches bewahren, welches zur bösen Stundein die Hand des Unglücklichen gerieth!

Schauderhaft ist der Spruch der Erfahrung über einen großenTheil der Jugend, besonders in Städten, denen Wohlleben und